Jesus als Don Quijote

Die Geschichte von Don Quijote fasziniert mich schon lange. Das Werk des Miguel des Cervantes Saavedra handelt ja von einem Mann, der es sich zum Ziel setzt, den „unmöglichen Traum zu träumen“, „den unbesiegbare Feind zu bekämpfen“ und das „unkorrigierbare Falsch zu korrigieren“, wofür er von seinen Mitmenschen verlacht und abgelehnt wird. Wie kann man die Göttlichkeit der Liebestat Jesu, die Macht des Bösen und des Todes zu besiegen, besser ausdrücken?

Die Musical-Bearbeitung von 1965 birgt dabei das sehr interessante Lied „The impossible Dream“. Unnachahmlich dargestellt wurde die Figur des Don Quijote durch Peter O’Toole in der Verfilmung des Musicals im Jahr 1972, einen Ausschnitt kann man hier ansehen.

To dream the impossible dream
To fight the unbeatable foe
To bear with unbearable sorrow
To run where the brave dare not go

To right the unrightable wrong
To love pure and chaste from afar
To try when your arms are too weary
To reach the unreachable star

This is my quest
To follow that star
No matter how hopeless
No matter how far

To fight for the right
Without question or pause
To be willing to march into Hell
For a heavenly cause

And I know if I’ll only be true
To this glorious quest
That my heart will lie peaceful and calm
When I’m laid to my rest

And the world will be better for this
That one man, scorned and covered with scars
Still strove with his last ounce of courage
To reach the unreachable star.

Eine der Konsequenzen dieses Lebensplans ist in der Figur der Aldonza dargestellt: sie wird durch die Verehrung des Don Quijote von einer sich selbst und die Männer hassenden Serviererin und Prostituierten Aldonza zu der Dame Dulcinea. Es ist der respektvolle und liebende Blick des Don Quijote, der dieser Frau dazu verhilft, ihren Selbsthass zu überwinden und sie selbst zu werden. Was zunächst noch unmöglich erschienen ist, bewerkstelligt Don Quijote allein durch das „verrückte“ Bild, das er sich von seiner Dulcinea macht. Diese Szene ist von Sophia Loren ausgezeichnet hier dargestellt worden.

Wie häufig begegnet uns dieser Zusammenhang in der Bibel: zahllos sind die Beispiele von aus der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen, die von Jesus erstmalig wie liebenswerte behandelt werden und so die Kraft zu einem selbstbewussten Leben jenseits der Opferrolle finden.

Wir, die wir dazu berufen sind, ihm nachzufolgen, müssen uns die Frage stellen, welchen „unmöglichen Traum“ es für uns zu träumen gibt, welchen „unerreichbaren Stern“ zu erreichen und welches „nicht korrigierbare Falsch“ es zu berichtigen gilt. Bei all den Schwierigkeiten, die wir dabei erwarten werden, kann uns aber – anders als Don Quijote – eines gewiss sein: unser Vater im Himmel wird uns auf unserem Abenteuer begleiten.

PAX

Dreifaltigkeit im Drucker

Der Künstler Franz Sattler hat in seiner 2011 veröffentlichten Arbeit „Yellow – Magenta – Cyan“ die Dreifaltigkeit darzustellen versucht.

Ich halte das Bild für ausgesprochen genial: diese drei Farben sind die Grundbausteine der modernen Farbgewinnung, sie stehen einerseits unverbunden nebeneinander, andererseits bilden sie in ihrem Zusammenspiel alle Farben des Spektrums. Mir ist kein Versuch der neueren Zeit untergekommen, der das Geheimnis der Trinität näher zu den Menschen gebracht hat. Schließlich kann jeder, der einen etwas größeren Drucker hat, diese Drei-Einheit nachvollziehen – spätestens bei der Nachbestellung der Druckertoner.

Mir ist beim Nachdenken über das Bild besonders der Johannesprolog eingefallen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“ (Joh 1,1-3). So wie sich sämtliche Farbschattierungen aus den Farben Gelb, Magenta und Cyan zusammensetzen, so wäre ohne Gott nichts geworden, die ganze Schöpfung lebt quasi von den göttlichen „Grundbausteinen“.

Auch die Glaubensgewissheit, dass Gott schon immer dreifaltig gewesen ist, kann dadurch besonders gut nachempfunden werden. So wie sich die Welt der Farben aus diesen dreien zusammenfügt, so fügt sich die gesamte Schöpfung aus den drei Personen in dem einen Gott zusammen. Das „Wort“ des Johannesprologs bezieht sich ja auf den Sohn. Gott ist immer Vater, Sohn und Geist, so wie alle drei Grundfarben überall in verschiedenen Mischformen präsent sind.

Dabei ist Magenta, die Farbe des Sohnes, im Zentrum – er ist der Dreh- und Angelpunkt des Christentums, in ihm teilt sich Gott uns Menschen auf Augenhöhe mit, durch seine Auferstehung sind wir hineingenommen in die Liebe des Vaters im Heiligen Geist.

Es müsste in der modernen Theologie viel mehr Wert darauf gelegt werden, die Grundbausteine des christlichen Glaubensbekenntnisses zu aktualisieren und den Menschen erfahrbar zu machen, anstatt sich in sinnlosen Strukturdiskussionen zu verlieren. Wenn sie es nicht selbst erledigen können, müssen eben geniale Köpfe wie Franz Sattler einspringen, diese Übersetzungsarbeit zu leisten.

PAX

 

Nachträgliche Ergänzung: Über die Farben als Symbol für die Dreifaltigkeit schreibt auch Annuntiator in seinem Artikel Dreifaltigkeit verstehen.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne (Hermann Hesse)

Nun ist es also so weit: ein eigener Blog über Gott und die Welt!

Ich habe ihn fecistinos getauft, nach dem bekannten Ausspruch des Augustinus:
Fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.
Dieser Satz soll meinen Blog begleiten!

PAX

Nachtrag: Ein schöner Kommentar zu diesem Satz des Augustinus ist hier zu lesen.