Benedikt als Popstar

Anlässlich des morgigen Papstrücktritts hat man ein Video zusammengestellt mit dem Titel „Best moments of Benedict XVI’s pontificate„, das in videoclipartigen Bildern und mit pathetischer Musik untermalt die wichtigsten öffentlichen Auftritte des noch aktuellen Papstes zusammenfasst.

Mir ist beim Ansehen dieses Videos mulmig zumute gewesen.

Dieses Unbehagen lag darin, dass das älteste noch bestehende Amt der Menschheit in einen Videoclip zusammengeschnitten und damit für die Masse konsumierbar gemacht wurde. Das 1:39 min lange Video ist wahrscheinlich erstellt worden, um in den sozialen Netzwerken schnell Verbreitung zu finden (ich habe es ebenfalls weitergepostet). Dazu ist es auch gerade lang genug: niemand sieht sich heutzutage ein halbstündiges Video an, das vielleicht auch die theologische Botschaft dieses Pontifikats thematisiert hätte, es sei denn, er hätte gerade danach gesucht.

Schwerpunkt des Videos ist sicher die Masse an Gläubigen, die dem Papst zugejubelt haben, dann die wichtigen Personen, die er getroffen hat (unter ihnen US-Präsident Obama, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon oder Bartholomaios I.) bzw. die wichtigen Orte, die er besucht hat (Auschwitz, Istanbul). Man könnte sagen: hätte ein beliebiger Pop-Star die genannten Personen und Orte besucht und statt Messen Konzerte gegeben, ein Rückblick-Video über seine Karriere wäre äußerst ähnlich ausgefallen.

Es ist den Video-Machern aber kein Vorwurf zu machen: so funktioniert die Wahrnehmung in den Medien heute. Aber gerade aus diesem Papst einen Popstar machen zu wollen, ist widersinnig: er war ein Papst der leisen Zwischentöne, der theologischen Vertiefung und der kleinen Schritte. Hat irgend jemand da draußen die Texte dieses Papstes gelesen und sich mit ihnen auseinandergesetzt, um seine Botschaft wirklich zu verstehen? Liest man einige aktuelle Kommentare zu diesem Pontifikat, sollte man meinen: nein. Die feinen Zwischentöne dieses Pontifikats, die gelehrten Reden, die theologisch herausragenden Enzykliken werden in einer lauten Öffentlichkeit des niedrigen Niveaus nicht rezipiert. Würde man Benedikt nach den „besten Momenten“ als Papst fragen, so würde er sicher nicht öffentliche Auftritte oder Treffen mit Politikern nennen, sondern Gotteserfahrungen im Gebet, in der Eucharistiefeier oder persönliche Begegnungen mit Menschen.

Dieser Versuch der Anpassung an die modernen Medien-Konsum-Gewohnheiten hat also exakt das verfehlt, was Benedikt XVI. mit diesem Amt erreichen wollte: nämlich eine Vertiefung dessen, was das Christentum ausmacht (vor allem mit seinen drei Jesus-Büchern und seinen beiden Enzykliken Deus caritas est und Spe salvi) und gerade kein oberflächliches Event-Christentum.

Bei aller Skepsis, was die Übersetzung des Christlichen in die Bild- und Formsprache der modernen Medien angeht, bleiben einige weitreichende Fragen: Inwieweit ist es notwendig, das Christliche zusammenzukürzen, leichter konsumier- und verdaubar zu machen? Rudolf Mitlöhner hat in der Furche gemeint, dass die Kirche nicht darum herumkommen werde, sich „billiger“ herzugeben. Was auch immer damit gemeint ist – ist eine zeitgeistige Verkürzung der christlichen Botschaft ohne ernsthaftes Studium der Bibel, ohne aufmerksames Mitfeiern in der Gemeinde, ohne Sich-korrigieren-Lassen von den Mitglaubenden überhaupt möglich? Oder ist die Differenz zwischen – überspitzt formuliert – gemeinschaftlicher Kirche und egomanischer Welt (Stichwort Entweltlichung) gut und richtig so.

Überhaupt zeigt die Berichterstattung über den Papstrücktritt, die aktuelle Verfasstheit des Vatikan und das kommende Konklave wieder einmal die Differenz auf zwischen einer säkularen und einer theologischen Welt. Federico Lombardi, der Pressesprecher des Hl. Stuhls hat es gut zusammengefasst: „Wer vor allem Geld, Sex und Macht im Kopf hat und die Welt an diesem Maße misst, der ist dann auch nicht imstande, die Kirche anders wahrzunehmen.“ (Standard-Artikel vom 23. Februar 2013).

Steht die Kirche daher von vornherein auf verlorenem Posten? Handelt es sich bei der derzeitigen Krise um eine Vermittlungskrise? Müssten nur die richtigen Kommunikationsstrategien gefunden werden, um wieder mehr Menschen ansprechen zu können?

Was ist zu tun, um die „Völker in Erstaunen zu versetzen“ (Jes 52,15)?

PAX

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3 Gedanken zu „Benedikt als Popstar

  1. Federico Lombardi, der Pressesprecher des Hl. Stuhls hat es gut zusammengefasst: “Wer vor allem Geld, Sex und Macht im Kopf hat und die Welt an diesem Maße misst, der ist dann auch nicht imstande, die Kirche anders wahrzunehmen.” (Standard-Artikel vom 23. Februar 2013).

    Ach ja, die böse Welt! Es wäre doch so schön, würde niemand wahrnehmen, was sich im Vatikan rund um Geld, Sex und Macht abspielt, und statt dessen fette Schlagzeilen verkünden: „Papst schreibt zwei Jesus-Bücher – zusätzlich zu den Milliarden Jesus-Büchern, die es schon gibt.“
    Einfach trotzig zu behaupten, die zum Himmel stinkenden Skandale und die ungelösten Probleme der Kirche existierten nur in der schmutzigen Phantasie der bösen Welt, ist gelinde gesagt kindlich. Weniger gelinde gesagt eine Chuzpe.
    Gewiss, die Medien sind in erster Linie an Sex and Crime interessiert und schlachten das weidlich aus; das ändet aber nichts daran, dass ihnen die Kirche reichlich Material geliefert hat. Und von einem Papst, der viele schöne Worte gemacht hat, aber kaum eines dieser Probleme ernstlich in Angriff genommen hat, ist man eben enttäuscht – das ist, als würde der Steuermann eines Schiffes in einem Orkan in der Kajüte sitzen und theologische Werke über das Wesen des Sturms schreiben.

    • Mir ist es bei dem Zitat nicht darum gegangen (und ich denke auch Lombardi nicht), dass man sagt, die Kirche hätte keine Probleme in den genannten Bereichen, sondern darum, dass man in der säkularen Öffentlichkeit hauptsächlich darauf starrt und damit das Eigentliche übersieht. Und zum Vorwurf, der Steuermann würde nicht eingreifen, darf ich dir Mk 4,35-41 empfehlen. 🙂

  2. „Bei aller Skepsis, was die Übersetzung des Christlichen in die Bild- und Formsprache der modernen Medien angeht, bleiben einige weitreichende Fragen: Inwieweit ist es notwendig, das Christliche zusammenzukürzen, leichter konsumier- und verdaubar zu machen?“

    YouTube Videos sind schon mal geistige Diarrhoe, das liegt in der Natur der Sache. Und die subtilen Erfahrungen, die du ansprichst, sind nun einmal sehr, sehr schwer zu fassen; selbst dem grandiosen Film !“Die große Stille“ ist das nur teilweise gelungen. Ein Zusammenschnitt pompöser Auftritte ist sicher kein „Evangelium“. Leider hat JPII damit angefangen, den Popstar zu machen, und Benedikt hat das – siehe Auftritte in flamboyanten historischen Roben – fortgesetzt, wenn auch nicht so krass. Aber weder Prunk und Pomp noch ein serviles dem-Zeitgeist-in-den.A… kriechen wird der Kirche helfen. Aber stell dir vor, ein Papst würde einen echten Schritt tun, ein echtes Wort sprechen! „Denn er sprach mit Vollmacht, nicht wie die Schriftgelehrten.“ Es gab ja solche Gelegenheiten. Dann, denke ich, würden Kirche und Welt spüren: Hier ist etwas Besonderes, wie damals bei Joh XXIII, auch bei JPII.
    Ich finde ja, Monsignore Schueller sollte der nächste Papst werden – modern, tatkräftig, durchsetzungsfähig! (OKay, okay, war nur ein Scherz…)

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