Ist der Papst zu bescheiden?

Im Blogger-Wald rauscht es gehörig nach den ersten paar Tagen des neuen Papstes. Mancherorts wird scharfe Kritik laut, dass der neue Papst zu bescheiden wäre.
Die Kernfrage wurde von sophophilo auf seinem Blog folgendermaßen ausformuliert:
Ist es Demut, wenn Papst Franziskus Amtsspezifika und dergleichen (sogar das PP bei der Unterschrift!) ablehnt und ablegt um, dem Beispiel des Poverello folgend, Jesus nachzueifern? Oder ist es nicht vielmehr Demut, alles das, was mit einem Amt einhergeht, demütig anzunehmen, auch wenn es dem eigenen Empfinden nicht entspricht (wie es Benedikt XVI. tat)?

In diesem Presse-Artikel werden Kritiker des Papstes zitiert, die bei ihm eine „militante“ Demut ausmachen. Der Papst sei ein idealistischer Armutsapostel der Siebzigerjahre; er pflege eine militante Demut, die sich aber als demütigend für die Kirche erweisen könnte. Es wird ihm dabei vor allem vorgeworfen, dass er nicht verstanden habe, dass Demut darin bestehe, sich den Äußerlichkeiten des päpstlichen Amtes zu unterwerfen (inklusive der roten Schuhe) und dass es arrogant sei, dieselben zurückzuweisen.

Das ist ein Gedanke, der mich nachdenklich gemacht hat. Gibt es so etwas wie arrogante Demut? Ist es notwendig und ein Zeichen von richtig verstandener Demut, wenn man sich den tradierten Gegebenheiten eines Amtes beugt?

Einerseits gebe ich Alipius recht, wenn er in seinen Klosterneuburger Marginalien meint: Man sollte sich hüten, einfach davon auszugehen, daß der Heilige Vater bei allem, was er sagt oder tut (oder nicht tut) einfach nur denkt ‚Guckt mal, meine tolle Demut!‘ Es ist unmöglich, als Papst irgendetwas zu tun, zu sagen oder zu unterlassen, ohne dass tausende „Experten“ kommentieren, einordnen, kritisieren.

Außerdem ist die von Franziskus gezeigte Demut selbst von Österreich aus authentisch.

Nachdem die Päpste die Sedia Gestatoria nicht mehr verwenden und die Tiara im Museum verstaubt, wird es vielleicht Zeit dafür, sich ein bescheideneres Äußeres zuzulegen: kein Hermelinmantel, keine roten Schuhe, keine goldbestickte Stola, keinen goldenen Ring. Diese Gesten haben – trotz der an sich Gott-losen Medienöffentlichkeit – große Wirkung gezeigt. Es steht der Kirche gut an, sich bescheidener zu geben, in Liebe und Verständnis für das Christentum zu werben und den monarchischen Pomp abzulegen. So weit so gut.

Dennoch wird dem neuen Papst auch Schlimmeres vorgeworfen: nämlich, dass er die Liturgie verfälschen würde. Bezieht sich der eine – leicht zu entkräftende – Vorwurf auf Äußerlichkeiten, die auch abgelegt werden können, trifft der andere natürlich tiefer, genauer gesagt den Kern des Christ-Seins. Unter Benedikt XVI. wurden liturgische Ungenauigkeiten noch richtiggehend verfolgt (und auch von Österreich aus regelmäßg nach Rom gemeldet), der neue Papst hat als Bischof selbst solche Abänderungen der Liturgie zu verantworten gehabt. Verständlicherweise fühlen sich nun die liturgischen Puristen verraten.

Für mich selbst hat die Liturgie einen hohen Stellenwert und es ist nicht einzusehen, dass sie freihändig verändert werden kann. Vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe der Jugendlichen hat sich gezeigt, dass eine zu große Anbiederung an diese Generation zwei Dinge verursacht: entweder ein Sich-Abwenden wegen dieser Anbiederung oder eine einmalige positive Liturgieerfahrung, die aber nicht nachhaltig ist. Schließlich ist nicht jeden Sonntag ein find-fight-follow-Gottesdienst, eine Gospelmesse oder ein Jugendgottesdienst zu feiern. Es mag vielleicht manchmal mühsam sein (besonders wenn man es mit so anspruchsvollen Gläubigen wie Jugendlichen zu tun hat), aber ein Einüben in die uralten liturgischen Gesten, Worte und Strukturen kann man keinem Christen ersparen, was natürlich keiner liturgischen Magie das Wort reden soll, also der Annahme, es reiche, dass die Liturgie korrekt vollzogen werde, damit das Sakrament wirke.

Es wird sich zeigen, welche Akzente der neue Papst liturgisch setzen wird.

Abschließend sei noch die Frage gestellt, ob ein gläubiger Katholik den Papst kritisieren darf. Ich denke, solange diese Kritik in einer wohlwollenden, liebevollen Sprache verfasst ist, ist der Papst ein christlicher Bruder wie jeder andere auch. Als unfehlbar gilt er ja nur, wenn er ex cathedra spricht.

PAX

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8 Gedanken zu „Ist der Papst zu bescheiden?

  1. Das Grundproblem bei allem as liturgische „Freizügigkeit“ betrifft, ist mangelndes Wissen oder Verstehen dessen, was Liturgie eigentlich ist. Zwischen einem protestantischen Gottesdienst (oder einem Wortgottesdienst überhaupt) und dem was man katholischerseits als „Liturgie“ z.B. einer Messe oder des Stundengebets beschreiben kann, besteht ein Unterschied wie zwischen Links und Rechts. Es ist schlicht und ergreifend NICHT vergleichbar. Bei JPII und BXVI war es klar, bei Franziskus bin ich mir nicht völlig sicher, dass er das gleiche Verständnis von „Liturgie“ hat… Vielleicht komm ich nächste Woche mal dazu, die katechetishen Texte auf meinem Blog dahingehend fortzusetzen… Es ist aber schon auffällig, dass der Papst, obzwar offenkundig in der Lage dazu, nach der Wandlung keine Kniebeuge macht…

  2. Mein Gott, die Schuhe des Papstes! Die erschüttern derzeit die Grundfesten der Christenheit.Ich würde das den „Tenno-Effekt“ nennen: als die Amerikaner den besiegten japanischen Gottkaiser zwangen, im schwarzen Anzug vor seine Untertanen zu treten, zerbrach die Seele einer Nation. Dasselbe passiert, wenn der Papst einige vorsichtige Abstriche macht von einer Kostümierung, wie sie allenfalls bei schwarzafrikanischen Diktatoren noch üblich ist. „Militante Demut“ wirft man ihm vor, als wäre er im Schlafrock über den Petersplatz geschlurft, um sich bei McDonalds ein Frühstück zu holen. Hörte man diese Vorwürfe auch, als frühere Päpste die Seda gestatoria abschafften, die Tiara, die Palmwedel? Welcher Papst würde heute noch verlangen, dass ihm weltliche Fürsten die Füße küssen? Was im Mittelalter oder Barock noch selbstverständlich war, wäre heute nur noch lächerlich, ja Ärgernis erregend. Und was die Würde des Amtes angeht: Den Dalai Lama, der sich ja auch als Allerhöchste Heiligkeit verehren lässt, sieht man nie anders als in seiner Kutte und Sandalen, und niemand findet, dass er sein Amt verrät. Es ist nicht das Amt, es ist nicht der Glaube, es ist schon gar nicht der Auftrag Christi, es ist einfach der Papalismus, der nach einem aufgeputzten Popanz mit weitschweifigem Zeremonialgehabe verlangt, wie es indische Maharadschas und chinesische Gottkaiser pflegten. Vielleicht ist der heutige Palmsonntag gerade der richtige Tag, um an den Einzug Jesu in Jerusalem zu erinnern – auf einem Esel und ohne Prada-Schuhe.

      • Du gibst mir recht? Ehrlich? Martin!!! 🙂
        Gibt es eigentlich irgendwo eine bindende Vorschrift, was der Papst anzuziehen hat? Ich meine, abgesehen davon, dass es der Würde des Amtes angemessen sein muss? (Wobei mir die weiße Soutane sehr gut gefällt). Von Jesus und den Aposteln sind keine Bekleidungsvorschriften erlassen worden, und mir scheint, die Päpste der folgenden Jahrhunderte haben sich jeweils gekleidet, wie es Brauchtum und Mode ihrer Zeit für Monarchen vorschrieben. Oder wurde das irgendwann festgelegt? Übrigens sieht man heute ja auch kaum noch einen Priester in Soutane, wie ich noch meinen Kindheits-Pfarrer kannte. Verraten die auch die Würde ihres Amtes?
        Jedenfalls erspart es sich Franziskus, wenn er bei seinen Halbschuhen bleibt, sich nocheinmal den Kalauer anhören zu müssen: „Der Teufel trägt Prada.“
        Das mit der Liturgie wäre einen eigenen Artikel wert, mit genaueren Erklärungen für Dummies, was er eigentlich anstellt; ich weiß nur, dass ihn kreuz.net.info bereits als „Zelebrationskasperl“ bezeichnet hat.
        P.S. Ich finde zwar viele unserer alten Hymnen („oh dass ich tausend Zungen hätt und einen tausendfachen Mund“) zum Grauen, aber ich hasse dieses Anbiedern mit Rock-, Pop- und sonstigen „Jugendmessen“. In der Kirche will ich Kirche haben. Und ehrlich, die tridentinische Messe war ganz okay, es hätte m.E. genügt den Priester zum Volk zu drehen und den Rest zu lassen.

          • Deine Position schon, aber andere Blogger, die du zitierst, klangen so, als sei der Papst durch irgendeine kirchenrechtliche Verordnung verpflichtet, z.B. rote Schuhe und einen Hermelinmantel und das komische Hauberl zu tragen und würde einen Verstoß begehen, wenn er das ablehnt.
            Was die Liturgie angeht: Nein, ich bin nicht mitgekommen, was er falsch macht, aber als einfache religiöse Freizeitgruppe haben wir Evangelischen ja auch keine Ahnung von Liturgie :-p

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