Der Papst, ein Liturgiesünder?

Vor allem aus dem katholischen Rechts-Innen kommt massive Kritik am neuen Papst, er würde die Heilige Liturgie nicht ernst genug nehmen.

Beispielsweise kursiert folgendes Video, das den damalige Erzbischof von Buenos Aires bei einem Jugendgottesdienst zeigt:

Dieses Video wurde auf Kreuzfährten. Wahrheit statt Mehrheit weitergepostet und mit dem Stoßseufzer versehen: Heiliger Pius X., bitte für uns.

Speerspitze der Kritik ist auch die englisch-sprachige Seite Creative Minority Report des Bloggers Patrick Archbold, der sich auf Twitter mit Kardinal Mahony über Aussagen zur Liturgie streitet, die bei Benedikt XVI. noch statthaft gewesen, beim neuen Papst hingegen kritisch verstanden worden seien. Zusammengefasst wieder von Kreuzfährten im Artikel Papstkritik und Katholizität.

Wie schon im letzten Artikel gepostet, bin ich selbst ebenfalls ein Kritiker einer allzu offenkundigen Anbiederung an die ominösen „Jungen“, habe heute aber selbst eine so genannte „Kinderpassion“ erlebt, eine Passionsgeschichte gestaltet und dargestellt von Volksschülern. Es war ein berührendes Ereignis, manchmal auch schwer auszuhalten (ein 8-Jähriger am Kreuz …). Und ich denke, einzelne moderne Elemente in den uralten Ritus der Liturgie einzufügen, ist durchaus statthaft. Es geht ja auch um Vermittlung: Jesus selbst hat zum Beispiel Gleichnisse aus dem Lebensbereich der Menschen erzählt, damit sie seine Botschaft verstehen. Eine Weiterentwicklung der Liturgie muss es also immer wieder geben im Hinblick auf dieses jesuanische Anliegen.

Dass es aber unbedingt zwei Einpeitscher braucht für eine Messe (wie in dem Video gezeigt), steht auf einem anderen Blatt.

Außerdem wird der neue Papst auch dafür kritisiert, dass er keine Kniebeuge nach den Wandlungsworten macht, belegt durch dieses Video vom heutigen Palmsonntag (Zeitindex 1:52:25). Ist er dazu körperlich nicht in der Lage? Oder ist es eine theologische Aussage? Stellt er gar die Präsenz Christi im Altarsakrament in Frage? Ich kann diese Fragen nicht beantworten, bin aber absolut der Meinung, dass sich der Papst etwas dabei gedacht hat, diese Kniebeuge zu unterlassen. Ich hoffe auf eine diesbezügliche Erklärung.

PAX

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15 Gedanken zu „Der Papst, ein Liturgiesünder?

  1. Nachtrag: “ Welch großartige Perspektive mag sich hier eröffnen, wenn da einer ist, der sich nicht für den Nachfolger der römischen Cäsaren als pontifex maximus hält, der nicht des Kaisers alte Pantoffeln und Hermelinbesatz braucht, sondern der mit seinem Volk in seinem Bistum und der Welt einen Weg der Achtsamkeit, des Respekts und der Barmherzigkeit gehen will?“ von Katharina Nowak auf http://www.kath-2-30.de/ (http://www.kath-2-30.de/2013/03/23/der-papst-ist-kein-pantoffelheld-dies-domini-palmsonntag-lesejahr-c/)

  2. „Es war ein berührendes Ereignis, manchmal auch schwer auszuhalten (ein 8-Jähriger am Kreuz …). “
    BITTE? Gehts noch? Was spielen wir denn als Nächstes? Ketzer foltern? Hexen verbrennen? Oder werden altehrwürdige Bräuche wie die Selbstgeißelung auch von Kindern wiederbelebt?
    Das ist der moderne katholische Religionsunterricht?
    P.S. Ich hoffe, man hat sich auf ein so-tun-als-ob beschränkt. Schließlich gibt es Länder, in denen man jedes Jahr zu Ostern junge Männer kreuzigt.

    • Na klar tat man nur als ob (wofür hältst du uns?).
      Das Ganze fand im Rahmen des Palmsonntagsgottesdienstes statt und die Jungschar stellte die Leidensgeschichte Jesu dar. Wie gesagt: schwer auszuhalten. Aber alles in allem gut gemacht.
      Gottseidank werden Hexenverbrennungen und Ketzerfolterungen nicht in der Bibel erwähnt, sodass uns eine Kinderaufführung zu diesen Themen erspart bleiben wird.
      Vielleicht könnten sie sich aber dafür ohnehin besser von Martin Luther inspirieren lassen als von der Bibel??? 😛

      • Also bei allen seinen Vorzügen: Als pädagogisches Vorbild würde ich Martin Luther eher nicht empfehlen.. 😉 Der Mann hatte natürlich große Vorzüge und viel geleistet, war aber persönlich doch etwas schwer verdaulich, übrigens schon für seine Zeitgenossen.
        Du willst aber hoffentlich nicht andeuten, Hexenverbrennungen und Ketzerverfolgungen seien ALLEIN auf Martin Luther zurückzuführen? Obwohl die Evangelischen, Gott sei´s geklagt, ihren Anteil daran hatten.

        P.S. Die Aufforderung, Zauberer zu töten und nicht-Jahwe-Gläubige bis hinunter zum Säugling an der Mutterbrust niederzumachen, steht sehr wohl in der Bibel.

  3. „Oder ist es eine theologische Aussage? Stellt er gar die Präsenz Christi im Altarsakrament in Frage?“
    siehst, so schnell kommt man auf den Scheiterhaufen. Eine falsche Bewegung und schon wird sogar ein Papst als Erzketzer verdächtigt.
    Übrigens gab es am Anfang der Christenheit überhaupt nur ein gemeinsames Liebes- und Gedächtnismahl, von einer priesterlichen Zelebration wird in der Bibel nichts berichtet, und obwohl man natürlich eine gewisse Ordnung einführen musste, taucht die bis ins Letzte choreographierte Liturgie erst recht spät auf . Sie kam erst, als die Eucharistiefeier allein Sache des Priesters wurde, dem das Publikum passiv zuguckte, wenn es nicht überhaupt überflüssig war („Stille Messe“). Und auch erst als das ursprünglich gemeinsame Mahl zum Opfer-Ritual eines einzelnen Kulktträgers wurde, nahmen die magischen Züge so überhand, dass es nur „klappt“, wenn alles genau nach Vorschrift geschieht – wie in der Magie eben üblich.
    Ich frage mich, wo Jesus angesichts dieser fehlenden Kniebeuge war. Hat er sich geweigert zu kommen? Oder war er doch, wie vorausgesagt, dort anwesend, „wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind“ – mit oder ohne Kniebeuge?

    • … und die virtuellen Scheiterhaufen der Internetmedien brennen länger und heißer als die analogen!

      Es ist wohl schwierig, auf dem Petersplatz mit 350.000 Menschen ein „gemeinsames Liebes- und Gedächtnismahl“ zu feiern.
      Außerdem wird sehrwohl eine priesterliche Zelebration berichtet: nicht nur bei sämtlichen Berichten über das Herrenmahl in den Evangelien und den Paulusbriefen, sondern auch bei der Emmausperikope wird davon berichtet, dass Christus diesem Liebes- und Gedächtnismahl vorsteht. Wenn man nun davon ausgeht, dass die Christen im Laufe der Zeit immer besser in diesem eucharistischen Glauben lebten, so kann man die sich immer weiter entwickelte Eucharistie auch als Evolution dessen verstehen, was Jesus damals begonnen hat.

      Natürlich birgt die Zelebration durch einen die Gefahr eines magischen Verständnisses der Liturgie. Das muss man wohl in Kauf nehmen.

      Jesus war natürlich auch an diesem Palmsonntag in der Kommunion anwesend, auch ohne Kniebeuge des Papstes, aber die Frage ist dennoch interessant, was er damit theologisch aussagen wollte.

      • Es ist wohl schwierig, auf dem Petersplatz mit 350.000 Menschen ein “gemeinsames Liebes- und Gedächtnismahl” zu feiern.

        Na jetzt fall mal nicht ins andere Extrem 🙂

        Außerdem wird sehrwohl eine priesterliche Zelebration berichtet: nicht nur bei sämtlichen Berichten über das Herrenmahl in den Evangelien und den Paulusbriefen,

        Ich lese da nirgends was von einem zelebrierenden Kultpriester, der Brot und Wein verwandelt… und in Emmaus ist ja noch der auferstandene Jesus selbst als „Priester“ präsent.

        „so kann man die sich immer weiter entwickelte Eucharistie auch als Evolution dessen verstehen, was Jesus damals begonnen hat.“

        Soll das heißen, dass Jesus selber nicht so richtig wusste, was er eigentlich meinte, und spätere Theologen seine noch unreifen Vorstellungen in Form gießen mussten? Ich glaube, er meinte genau das, was er sagte: „Tut das zu meinem Gedächtnis.“

        ohne Kniebeuge des Papstes, aber die Frage ist dennoch interessant, was er damit theologisch aussagen wollte.

        Vielleicht nur, dass ihm das Knie wehtut, wie es allen alten Leuten bei diesem Mistwetter geht. Ich könnte zurzeit auch keine Kniebeugen machen. Ich würde aber trotzdem sicherheitshalber sagen: Ab auf den Scheiterhaufen!

        Oder auch als eine zunehmend Anpassung an die heidnischen Opferkulte – Christen wurde in Rom ja der Vorwurf gemacht, dass sie Atheisten seinen, da sie keine Götteropfer brachten –

        • Ich lese von Christus, der Brot und Wein verwandelt, und ich lese von Christus, der den anwesenden Aposteln den Auftrag erteilt, das „zu seinem Gedächtnis“ zu tun. Eindeutiger kann man wohl einen Auftrag nicht formulieren.

          Jesus wusste natürlich, was er meinte, und er brauchte keine Theologen, um seine unreifen Vorstellungen zu verbessern. Aber ich glaube, dass wir Menschen einfach Zeit brauchen, das zu verstehen, was er gemeint hat. Und ich glaube nur eine Jahrtausende-lange Einübung in die Eucharistie kann eine Ahnung davon vermitteln. So wie das gewaltsame und kriegerische Gottesbild im Alten Testament ja nicht Ausdruck dessen ist, dass Gott es nicht besser gewusst hat, sondern dass es die Menschen nicht besser verstanden haben.

          Das mit der Kniebeuge ist nicht so eindeutig. Bei dem Mitschnitt vom Palmsonntag sieht man, dass auch die Konzelebranten sich nur verbeugen. Es handelt sich also um eine bewusst gesetzte Handlung, deren Begründung (nicht nur) mich interessiert.

          • „Aber ich glaube, dass wir Menschen einfach Zeit brauchen, das zu verstehen, was er gemeint hat. Und ich glaube nur eine Jahrtausende-lange Einübung in die Eucharistie kann eine Ahnung davon vermitteln.“
            Wir hätten diese Jahrtausende besser dafür verwendet zu verstehen und uns darin einzuüben, was er sonst noch gesagt hat und was kein Mensch missverstehen kann, nämlich: „Selig sind…“ Das hätte mehr gebracht als Grübeleien darüber, wie ein Brotscheibchen „wahrhaftig Fleisch und Blut“ sein kann – interessanterweise ist sonst immer vom Geist Christi die Rede, denn sein Körper ist ja nicht mehr „Fleisch und Blut“. Und wenn Jesus sowieso „alle Tage bei uns ist bis ans Ende der Welt“ muss ich keine mysteriösen Rituale vollziehen, die ihn herabzwingen in eine Oblate, in der – chemisch gesehen – nix drin ist als in jeder anderen, ungeweihten Oblate (trotz aller berichteten Hostienwunder).
            Was die ominöse Kniebeuge angeht, scheint das derzeit die ganze Christenheit zu beschäftigen, die nicht mit HUnger, Krieg, Elend, Missbrauch und dergleichen Marginalien beschäftigt ist; es wird sich also früher oder später eine Antwort ergeben. Warten wir sie ab.

  4. „Wie schon im letzten Artikel gepostet, bin ich selbst ebenfalls ein Kritiker einer allzu offenkundigen Anbiederung an die ominösen “Jungen”…“
    Von diesen „Jungen“ war schon die Rede, als ich jung war, also in den Sechzigerjahren, und es hat sich schon damals gezeigt, dass eine Sakramental-Disco nicht der richtige Weg ist. Die Kirche soll führen, nicht jedem zeitgeistigen Blödsinn hinterherhecheln. Viel wichtiger fände ich eine Vermittlung in zeitgemäßer Sprache – das wurde ja schon diskutiert – und unter Einbeziehung zeitgemäßer Elemente, wie der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, oder in der Auseinandersetzung mit neuen geistigen Strömungen (z.B. dem neuen aggressiven Atheismus) oder anderen Weltreligionen. Oder vielleicht auch den im Internet grassierenden Selbstmord-Seiten für Jugendliche?
    Ich bin ja deshalb zu den Lutheranern geflohen, weil ich dort nicht befürchten muss, dass plötzlich irgendwelche absurden Aktionen passieren; lieber ein langweiliger Gottesdienst als einer, wo ich glaube, ich bin bei einem Happening unter lauter Besoffenen.

  5. „und die virtuellen Scheiterhaufen der Internetmedien brennen länger und heißer als die analogen!“
    Da hast du recht. Vor allem länger… Das Internet verzeiht und vergisst nichts.

  6. Was mich an dieser Kritisierei des neuen Papstes im Internet nervt, ist, dass hier irgendwie ein gewisses Grundvertrauen gegenüber dem Papstamt und der Person des Papstes fehlt. Der Papst ist ja eigentlich im wahren Sinne ein „Papa“ – und es wäre doch das Mindeste, dem „Vater“ zuerst mal eine gute Absicht zu bescheinigen, bevor man ihn öffentlich durch den Kakao zieht…

    Übrigens erinnert Franziskus in sehr vielen Dingen an Johannes Paul II.: Kleidung, Auftreten, punktuelle Teilnahme an etwas „überdrehten“ Liturgien usw. Die gleichen Leute, die heute nichts über Johannes Paul kommen lassen wollen, kritisieren an Franziskus die gleichen Dinge, die JPII auch schon gemacht hat. (Wie oft trug etwa JPII die Mozzetta nach dem Tag seiner Wahl??)

    Ein Blogger („Pax et bonum“) hat es übrigens am besten auf den Punkt gebracht: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

    • Es ist bezeichnend, dass dem neuen Papst schon die nassen Fetzen um die Ohren gehauen wurden, als er noch nicht einmal sein Amt angetreten hatte, und worum gings? Seine Schuhe! Die lang zurückliegende Jugendmesse (gut, die sah eher nach „Love Parade“ aus, und ich habe für eine solche Sakramentaldisco auch nichts übrig). Und die fehlende Kniebeuge. Das ist, wie Petra ganz richtig schreibt, kleingeistige Krittelei, die sich selbst lächerlich macht, wenn z.B. seine Weigerung rote Patscherln zu tragen als Mangel an echter Demut bezeichnet wird. In Wirklichkeit, glaube ich, ist vielen angst und bang geworden, als er sein Programm – die Brandrede – vorlegte, und man versucht ihn deshalb mit allen Mitteln zu diskreditieren. Es gibt sicher starke, sehr starke Kräfte, die sich vor einer Tempelreinigung fürchten. Ich muss da leider an Johannes Paul I. denken, der seine Ankündigung, mit den dubiosen Geldgeschäften Schluss machen zu wollen, nur wenige Tage überlebte. Hoffen wir, dass Franziskus die Kraft hat, sich dem Mobbing zu widersetzen, das den kranken Benedikt aus dem Amt getrieben hat – und dass er einen tüchtigen Schutzengel hat.

  7. Ich habe mir die heutige Ostermesse auf dem Petersplatz angesehen und mir scheint, da war schon ein neuer Stil zu bemerken: Sehr schlicht, aber geschmackvoll, sehr schön mit den vielen Blumen, man sah ja immer wieder Luftbilder und die zeigten eine einfache, aber edle Komposition. Da hat sich der Zeremonienmeister echt Mühe gegeben. Würdig, klassisch und doch zeitgemäß – mal abgesehen von den putzigen orangen Rittern, – aber meine Güte, die Queen hat ja auch ihre Bärenmützler.
    Sehr, sehr ergreifend war, wie der Papst den spastisch gelähmten Jungen auf die Arme genommen hat, vor allem, weil man Franziskus anmerkte, dass er da keine Show abzieht, sondern das arme Kind wirklich voller Liebe umarmt.

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