Maria Verkündigung

Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat die katholische Kirche am Montag, den 25. März, das Fest Maria Verkündigung gefeiert. Und das, obwohl es ohne den Inhalt des Festes völlig anders auf dieser Welt aussehen würde.

Ich selbst habe im italienischen Loreto schon die Mauern besichtigt, die dieses epochale Ereignis bezeugen. Die einfachen Steinmauern sind aus Nazareth nach Loreto verbracht worden, sie stammen höchstwahrscheinlich von Marias einfachem Haus. Selbst wenn man wegen der Authentizität dieser Mauern skeptisch ist: sie wurden über Jahrhunderte als eben diese Mauern verehrt, die Marias Erfahrung mit dem Engel Gabriel bezeugen.

Als Nicht-Katholik könnte man die Frage stellen, wieso die katholische Kirche sich noch immer diesem „überholten“ Glauben verschreibt, obwohl ja die Echtheit der Reliquien keineswegs sicher ist.

Gerade bei den Mauern von Loreto kann ich diese Frage beantworten: dass es Mauern gibt, die das Fest Maria Verkündigung bezeugen, betont die entscheidende Botschaft des Christentums, die sie von allen Religionen unterscheidet: dass es nämlich dem ewigen, allmächtigen Gott gefallen hat, in die menschliche Geschichte einzubrechen, dass sein Sohn wirklich und wahrhaftig mit uns Menschen gelebt hat, ja, dass er für uns gelebt hat, gelitten hat und gestorben ist.

Ohne Maria Verkündigung also kein Weihnachten, kein Ostern und kein Christentum. Ohne Reliquien die Frage, ob das alles wirklich passiert ist: in den Reliquien verehren wir Katholiken also den uns nahen Gott, Jesus Christus, unseren Bruder.

PAX

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11 Gedanken zu „Maria Verkündigung

  1. Mann oh Mann… Wäre heute der 1. April, hätte ich deinen Beitrag mit weniger Staunen gelesen. Eine kindliche Legende ist also das Fundament unseres Glaubens? Und wem Loreto nicht genügt, für den gibt es ja noch andere Reliquien, Federn des Heiligen Geistes, Fläschchen mit der Muttermilch der Junfrau Maria, Windeln und Stroh aus der Krippe von Bethlehem… vielleicht sogar das heilige Präputium in siebenfacher Ausführung, aber das war schließlich ja sogar dem Vatikan zu peinlich. Nein, wir verehren Christus im Geist, nicht in irgendwelchen Heiligen Röcken, dubiosen Grabtüchern, Fläschchen mit seinem Blut und seinem Atem oder ähnlichem (im Detail siehe den Andechser Heiltumsschatz).
    Du sagst selbst, dass die Echtheit dieser Mauern zweifelhaft ist (SEHR zweifelhaft, würde ich sagen), aber weil man so lange daran geglaubt hat, sind sie ein Beweis. Man braucht also etwas, sei es auch falsch, nur lange genug glauben, damit es ein Beweis wird. Seit wie vielen Jahrhunderten verehren andere Religionen ihre Kultstätten?
    Übrigens – wenn das Christentum die einzige Religion ist, in der sich Gott persönlich zu Wort gemeldet hat, dann darf ich wohl fragen, was mit dem Judentum ist? Und weiters, dass sich praktisch alle Religionen auf direkte himmlische Offenbarungen berufen, einige auch auf inkarnierte Götter (z.B. Shiva).
    Natürlich ist es wichtig, sogar entscheidend wichtig, dass Christus keine mythische Figur war, sondern tatsächlich zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort gelebt hat, das bestätigen aber zur Genüge die christlichen wie auch die NICHT-christlichen Schriftsteller seiner Zeit.
    Aber „Glaubensbeweise“ wie das Häuschen in Loreto beweisen nur eines: Dass auch gebildete Katholiken jedes fromme Ammenmärchen glauben. Und dass man einer modernen und skeptischen Welt solche Gschichterln nicht mehr raufdrücken kann, ohne belächelt zu werden.

    P.S. Den Wiener Stephansdom hat, wie glaubwürdig bezeugt wird, der Teufel persönlich erbaut, deshalb der unfertige Turm. Soll ich das jetzt auch unter Glaubensbeweise einreihen?

  2. Ich bin nicht zynisch. Ich bin vernünftig. Man muss nicht zynisch sein, um einfältige Wundermärchen als solche zu betrachten; man ist auch nicht schon deswegen fromm, weil man an blutende Statuen, absonderliche Erscheinungen und jede noch so kindliche Legende glaubt. Wozu bitten sollten Engel das Haus Mariens nach Loreto tragen? Um der dortigen Geistlichkeit ein Einkommen zu verschaffen? War das Türschild noch dran? Woher wollen wir überhaupt wissen, dass Maria in diesem Haus gewohnt hat, und selbst wenn, wär´s nicht egal?
    Aber da gehts mir wie meinem geliebten Hanauer (Gott hab ihn selig): Wer nicht jedes Ammenmärchen glaubt, wird sofort beschuldigt, zynisch, ungläubig, respektlos zu sein, ja alles Übernatürliche zu leugnen. Dabei glaub ich sogar an Gespenster!
    A: Den Andechser Heiltumsschatz mit den genannten Skurrilitäten gibts wirklich, B: nicht einmal die katholische Kirche verpflichtet ihre Gläubigen dazu an nachbiblische Wunder zu glauben, C: seit dem zweiten Vatikanum sind Reliquien ziemlich out. Ich könnte also sehr gut katholisch sein und trotzdem diese Meinung vertreten.
    Ich staune nur immer, wie ein theologisch so gebildeter und so scharfsinniger Mensch wie du, ein Religionslehrer obendrein, an sowas glauben kann.
    Trotzdem, wie du siehst, folge ich deinem Blog mit Ernst und Eifer.

    • … und ich schalte auch alle deine Kommentare frei, auch wenn sie mir gegen den Strich gehen. Ich habe dich zynisch genannt, weil deine krampfhafte Ablehnung auch irgendeiner Form von Reliquienglauben dich blind macht für das Gute und Christliche dahinter – und dich außerdem taub macht für das, was ich geschrieben habe. Nirgends zum Beispiel behaupte ich zu glauben, dass die Engel das Haus Mariens nach Loreto getragen haben. Ich bin mir aber absolut sicher, dass man das Haus Mariens von Anfang an verehrt hat und daher im 12. Jahrhundert, als die italienische Familie der Angeli das Haus nach Loreto gebracht hat, genau gewusst hat, welche Mauern diejenigen welchen sind.

      Ja, Gott ist Geist. Aber wir sind auch Körper. Und daher sind wir auf unsere fünf Sinne angewiesen, wenn es um das Heilige geht. Das heißt nicht, dass jeder Katholik, geschweige denn jeder Christ zwangsläufig an sämtliche angeblich weinenden Statuen glauben muss. Sondern das heißt für mich, dass die sinnlich fassbaren Spuren des Göttlichen in unserer Welt nicht von vornherein für unmöglich gehalten werden.

      Ja, der Reliquienglauben birgt die Gefahr in sich, den Blick auf das Wesentliche des Christentums zu verlieren, aber dieses Risiko sind nicht wir eingegangen, sondern Gott selbst, als er sich mit diesen nervig sinnlichen Menschen eingelassen hat.

      Ein absolut geistiges Christentum kann es deswegen nicht geben, weil wir Menschen nicht Gott sind. Der Reliquienglauben macht ernst mit Gottes Hinwendung zu uns Menschen und der Welt: er muss deswegen nicht zwangsläufig unvernünftig sein, sondern er rechnet damit, dass das Heilige Spuren hinterlassen hat in unserer Welt und schließt dieselben nicht in falsch verstandener menschlicher Rationalität von vornherein aus.

      • Also in Wikipedia lese ich zu Loreto, Haus Mariens, folgenden Text, auf den ich meine Kritik bezogen habe:
        „Die Loretowallfahrt entstand aus der Verehrung Marias, der Mutter Jesu, und des Hauses, in dem sie aufwuchs und die Botschaft des Engels empfing. Dieses Haus, die Casa Sancta, floh der Legende zufolge aus Nazaret, als im Jahr 1263 das Heilige Land an den Islam fiel. Es wurde von Engeln fortgetragen und am 10. Mai 1291 in Trsat im heutigen Kroatien, in der Nähe von Rijeka (ital. Fiume), abgesetzt. In der Nacht zum 10. Dezember 1294 verschwand das Haus und wurde in die Gegend von Recanati verlagert. Das Haus wechselte noch mehrmals den Ort, weil sich die Besitzer als unwürdig erwiesen und sich um die Opfergaben der Pilger stritten.“

        Nirgends ein Wort von einer Familie Angeli, es wäre auch erstaunlich, dass dieses Häuschen nach 1200 Jahren immer noch stand.
        Im Übrigen ist „krampfhafter Rationalismus“ wirklich eine Sünde, die ich mir nicht zurechnen muss; ich bin selber heulend wie ein Schlosshund am Grab einer historischen Persönlichkeit gestanden, die mir viel bedeutete; ich bin mir auch bewusst, dass es höchst eigentümliche, sagen wir heilige oder dämonische Orte und auch Gegenstände gibt. Ich war tief ergriffen als ich an einem Schauplatz meiner eigenen Romane stand, der eine tragische Geschichte hat (die Pestbaracke im Franz Josefs spital). Ich kenne das Gefühl: Mein Gott, also hier ist es geschehen! Ich verstehe auch durchaus die Bedeutung einer sinnlichen Wahrnehmung, und wenn die katholische Kirche da manchmal übertreibt, so haben andere Kirchen, etwa die reformierten, sehr zu ihrem Schaden untertrieben und wirken dadurch kalt und wenig einladend.
        Aber ich sehe das so: Ich kann mir den Schädel Mozarts ansehen – selbst vorausgesetzt, es ist der echte, sieht er genauso aus wie andere Totenschädel. Die wahren „Reliquien“ – kommt ja von relinquare, hinterlassen – Mozarts sind seine Musikstücke. Viele Heilige haben ja durchaus sinnlich erfassbare Dinge hinterlassen – Schriftstücke, Musik, bildende Kunst, manche auch nur eine ergreifende Legende. Diese Dinge können und sollen uns ergreifen. Aber eine schwarz verdorrte Hand, ein mit Prunkgewändern bekleidetes Skelett als Gegenstand frommer Betrachtung – brrr. Und ich bin wirklich nicht empfindlich was seltsame Überreste, sagen wir in einem medizinischen Museum, angeht.
        Habe ich die Sachlage jetzt etwas klarer gemacht?
        P.S. Weißt wer bei mir eine Reliquie ist? Der Pater Erhard. In dem war ein Stückchen Himmel auf Erde zum Anfassen. Ich hoffe, der Gute lebt noch, falls ja, schick ihm herzliche Ostergrüße von mir.

        • Habe mich auf eine Theorie bezogen, die die Überführung des Hauses als Werk der Familie Angeli erklärt. Du weißt eh, wie verlässlich Wikipedia ist …
          Ich weiß, du wirst es nicht tun, aber ich kann dir nur sehr empfehlen, einmal Loreto zu besuchen. Es handelt sich um einen ausgesprochen spirituellen Ort, der sicher nicht deswegen eine Spur Gottes auf der Erde repräsentiert, weil bedeutungslose Steine dort gelagert werden.

          Jeder Mensch hat ein tiefes Bedürfnis, von Menschen, die er liebt, „Reliquien“ zu behalten, wenn dieser Mensch verstorben ist. Diesem Bedürfnis entspricht die Reliquienverehrung im Volksglauben. Würden wir damit aufhören, würden wir einen wesentlichen Anknüpfungspunkt der menschlichen Psyche an den christlichen Glauben abschneiden … auch wenn dann so makabre Dinge dabei herauskommen wie eine verschrumpelte Hand in königlichen Gewändern.

          Aber ich glaube, bei diesem Thema werden wir nicht auf einen grünen Zweig kommen.

          • Insoferne muss ich mich entschuldigen: Ich kannte nur die Legende, habe auch auf Wikipedia nur diese gefunden, erst später im Heiligenlexikon die Erwähnung der Familie Angelini, die auf durchaus irdische Weise das Haus nach Loreto brachte. Meine Anschuldigung, du würdest jeden Schmarrn glauben, war also ungerechtfertigt.
            Den Hinweis, dass wir alle unsere persönlichen Reliquien haben, fand ich auch bei Josef Imbach (kath. Theologe), „Der Heiligen Schein“, damit hast du recht, dass hier ein seelisches Grundbedürfnis abgedeckt wird. Es ist ja z.B. eine spontane Geste, das Foto eines geliebten Menschen ans Herz zu drücken. Als allerdings meine Nachbarin ihren geliebten Hund nach seinem Tode ausstopfen ließ und weiterhin in sein Körbchen legte, fand ich das schon ziemlich schräg – gleichwertig mit jenem einbalsamierten, leicht grünlich verfärbten Pater, der im vollen Ornat im Versammlungsraum seines Klosters ruht (Namen leider vergessen).
            Dass Loreto ein spiritueller Ort ist, bezweifle ich keinen Augenblick lang, es gibt viele solche Orte. Meist waren sie schon als mantische Orte bekannt, bevor dort Heiligtümer, heidnische oder christliche, errichtet wurden; es gibt dann sehr oft eine ätiologische Sage, dass die Gründung des Heiligtums an diesem Ort durch wunderbare Hinweise (der Schleier von Klosterneuburg) erfolgte.

  3. Irgendwie erinnert mich diese Diskussion an folgendes Zitat von Chesterton:

    „Somehow or other an extraordinary idea has arisen that the disbelievers in miracles consider them coldly and fairly, while believers in miracles accept them only in connection with some dogma. The fact is quite the other way. The believers in miracles accept them (rightly or wrongly) because they have evidence for them. The disbelievers in miracles deny them (rightly or wrongly) because they have a doctrine against them.“ (G. K. Chesterton: Orthodoxy)

  4. Chesterton ist hier zwar witzig, aber nicht korrekt. Zweifellos glauben die Befürworter von Wundern, Beweise zu haben, das glauben auch die Leute, die von UFOs entführt wurden. Oft stellen sich aber diese Beweise – bleiben wir beim Glauben – bei Untersuchungen durch kirchliche Autoritäten als äußerst dubios heraus (Garabandal, La Salette, Heroldsbach…) und das Wunder wird nicht anerkannt. Das stört die Gläubigen nicht; sie stellen sich dann auch sofort gegen die Kirche (Medjugorje) und klagen diese an, Gott oder Maria nicht zu glauben, eben „to have a doctrine against miracles“. Übrigens haben Wunder eine erfreuliche Nebenwirkung: Die SeherInnen werden als Heilige hofiert, aus Drecknestern werden blühende Pilgerorte, man ist jemand ganz Besonderer (bei Therese von Konnersreuth haben sich Jesus und Maria regelmäßig mit unterwürfigen Worten bedankt, andere Seherinnen wurden von Jesus als Braut, als Geliebte, als Herzensschwester angesprochen – na, wenn das nicht ein gutes Gefühl ist! Und es hat schon mit „Dogma“ zu tun, wenn tausende Menschen angesichts einer blutenden Marienstatue in Massenhysterie verfallen.
    Zweifellos gibt es auch Skeptiker (der Zauberer Randi, der Kriminologe Joe Nickell) die eine geradezu pathologische Wut auf die bloße Möglichkeit eines Wunders haben und prinzipiell alles entlarven wollen, „The sceptic inquirer“ ist ein Beispiel dafür, wie man Phänomene durch bloßes Lächerlich-machen aus der Welt zu schaffen versucht, anstatt sie zu untersuchen.
    Wobei allerdings die Beweislast bei dem liegt, der das Wunder behauptet, und der Skeptiker das Recht hat, Wunder, UFO-sichtungen und Geistererscheinungen kritisch zu betrachten – korrekt kritisch, wohlgemerkt, nicht durch ein schlichtes „So aaa Bledsinn.“

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