Brandrede des Papstes

Ich dokumentiere hier die Rede von Kardinal Bergoglio, die er vor dem Konklave gehalten hat (Quelle):


Ich habe Bezug genommen auf die Evangelisierung. Sie ist der Daseinsgrund der Kirche. Es ist die «süße, tröstende Freude, das Evangelium zu verkünden» (Paul VI.). Es ist Jesus Christus selbst, der uns von innen her dazu antreibt.

1. Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht. Sie ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.

2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus. In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen … Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten.

3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das «Geheimnis des Lichts» zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der «geistlichen Mondänität» Raum (nach Worten de Lubacs das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern. Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das «Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet»; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.

Dies muss ein Licht auf die möglichen Veränderungen und Reformen werfen, die notwendig sind für die Rettung der Seelen.

Selten so eine klare und schonungslose Bestandsaufnahme der Krankheiten gehört, die in unserer Kirche zu beklagen sind.

PAX

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2 Gedanken zu „Brandrede des Papstes

  1. Wow . Wenn er es schafft das zu verwirklichen ist er ein Papst wie der seligen Johannes. Dann reist er wirklich das Ruder herum.

  2. „There are all sorts of ways in which people have lost the sense that the Church is actually about compassion, properly understood.
    I think what Pope Francis is up to is trying to project, re-project, is an image of the Church as compassionate. He is trying to help people remember (or learn for the first time) that she is actually all about compassion, charity in its truest form.
    We’ve lost the message and we have to get it back.“

    Ich bin kein großer Fan von Fr. Zuhlsdorfs Ansichten in manchen Dingen, aber das ist eine sehr treffende Analyse, finde ich:

    http://wdtprs.com/blog/2013/03/what-is-pope-francis-really-saying/

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