Pfingstsequenz III – Menschenfreundlicher Gott

[Erste Strophe / Zweite Strophe]

Consolator optime,
Dulcis hospes animae,
Dulce refrigerium.

Ü1 (wörtlich)
Bester Tröster
Süßer Gast der Seele
Süße Erfrischung

Ü2 (Gotteslob)
Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not

Ü3 (Bone)
Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, du süßer Seelenfreund!

1) Consolator: Dieser Begriff geht auf das Johannesevangelium zurück, wo Jesus den Aposteln die Sendung des Parakleten, des Trösters, des Beistandes verheißt (z.B. Joh 16,7). Die Übersetzungen von Heinrich Bone fügt noch einen Anlass für diesen Trost hinzu: Verlassenheit. In Verbindung dazu steht sicher auch die Verheißung des Autors der Offenbarung, der in Offb 21,4 folgendermaßen formuliert: Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.
Mit dem Begriff Consolator verweist die Pfingstsequenz also auf die Endzeit, die mit dem Kommen Jesu Christi schon angebrochen ist: der Heilige Geist ist der von Jesus selbst verheißene Tröster, der alle Tränen abwischt und damit den paradiesischen Zustand des Anfangs (Gen 2,5-25) wiederherzustellen in der Lage ist.

2) Hospes: Dieser Begriff verweist auf die Behutsamkeit und Sanftheit Gottes. Er kommt als Gast zu uns, wenn wir ihn einlassen. Der Ort dieses Kommens ist die Seele.

3) Refrigerium: Die süße Erfrischung wird in den Übersetzungen auf die Seele bezogen, ich sehe aber sehr wohl auch die Möglichkeit zu einer ganz profanen Assoziation nach der vieldeutigen Ableitung hin zum Begriff Refrigeration: Erfrischung, Kühlung. Gott wird in diesem Vers als menschenfreundlich verstanden, dem es ein Anliegen ist, dass es dem Menschen gut geht.

4) Dulcis: Die doppelte Verwendung dieses Begriffs ist sicher nicht Zufall, sie verweist auf die Süße (= Menschenfreundlichkeit, Schönheit, Wahrheit, Güte) Gottes. Bei der eucharistischen Anbetung zum Beispiel spricht der Priester die Worte: Brot vom Himmel hast Du uns gegeben – die Gläubigen antworten: Das alle Süßigkeit in sich enthält.

5) In dieser Strophe wird Gott als Tröster, Gast, Erfrischung verstanden und damit die ganz konkreten Zeichen der Liebe dargestellt, die er in seinem Beistand den Menschen erweist. Der Heilige Geist, der Tröster des Johannesevangeliums, ist also die den Menschen zugewandte Seite Gottes, liebevoll, behutsam, mütterlich. Gleichzeitig wird auf die Tatsache verwiesen, dass diese Liebe Gottes den Zustand (wieder)herstellen kann, der in der Seinsweise des Menschen angelegt ist: nämlich den Zustand, in dem der Mensch mit sich, seinen Mitmenschen, mit Gott und der Schöpfung im Einklang leben kann, den er aber durch seine Sündenverfallenheit verloren hat.

Die Schöpfung, dein Buch,
geprägt von deiner Handschrift
der Liebe zu uns.

PAX

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