(Ge)schlechter sprechen

Nach einer längeren, Matura-bedingten Blogpause möchte ich heute nicht meine Reihe zur Pfingstsequenz fortsetzen, sondern meine schon veröffentlichten Überlegungen zum Thema „Wirklichkeit und Sprache“ um einen Kommentar zur Causa prima der aktuellen Feuilletons ergänzen, nämlich zur Frage nach der „Sichtbarkeit“ von Weiblichem in der deutschen Spache, apodiktisch vorgeschrieben vom modernen Sexismus, vulgo Gender-Mainstreaming.

1. Zuerst eine grundlegende Bemerkung zur Korrespondenz des biologischen Geschlechts von Lebewesen (inklusive dem Menschen) mit dem grammatikalischen derjenigen Begriffe, die dieselben bezeichnen: sie existiert nicht.

DIE Giraffe, DAS Mädchen, DAS Mitglied, DER Nachfahre, DER Mensch, DAS Wiesel, DIE Spinne … die Liste an Belegen ließe sich endlos fortsetzen. Also: hinter der Bezeichnung „der Lehrer“ für den entsprechenden Berufsstand eine sprachliche Herabwürdigung von weiblichen Lehrern zu entdecken, zeugt mehr von einer krampfhaften Fahndung nach (tatsächlichen oder eingebildeten) Diskriminierungen als von einer tieferen Einsicht in die inneren Zusammenhänge der deutschen Sprache.

2. Damit wird freilich ein Kernpunkt der Gender-Ideologie in Frage gestellt, die sich – egal ob sie als „Wissenschaft“ getarnt Uni-Steuergelder verbrennt oder als Alltagsnervensäge in bisher nur von Fundamentalisten gewohnter Manier vorschreibt, wie wir zu reden oder zu denken haben – Kritik natürlich verbittet, begreift man sich auf der dunklen Seite der Wirklichkeit doch als unfehlbar.

3. Spricht man also von „den Lehrern“, so bezeichnet man damit nicht die biologisch männlichen Exemplare dieses Berufsstandes und „meint die weiblichen mit“ (wie so häufig mit leidensvoller Miene moniert), sondern man bezeichnet mit einem grammatikalisch männlichen (also wertneutralen) Begriff eine aus biologisch männlichen und weiblichen Personen bestehende Berufsgruppe.

4. Nur ideologisch vollkommen Verblendete werden sich auf die Suche nach den Testikeln des Mondes begeben und „Diskriminierung“ schreien, wenn sie keine finden.

5. Wer die Grundrechnungsarten der deutschen Sprache nicht beherrscht, der soll sich bitte nobel zurückhalten, möchte er sich außerhalb der geschützten Werkstätte Gender-Studies nicht bis auf die Knochen blamieren.

PAX

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5 Gedanken zu „(Ge)schlechter sprechen

  1. Ah, wieder ein Sprach-Logikon nach meinem Herzen…
    Der absolute Brüller ist m.E. die Übersetzung der „Bibel in gerechter Sprache“ für den Begriff „Pharisaer“: „Männer und Frauen mit pharisäischer Gesinnung“. Das ist ein echtes Autsch. Denn Pharisäer bezeichnet eine historisch umrissene Gruppe, die nun einmal nur aus Männern bestand, und die sind in der Bibel gemeint; Pharisäer ist dort eben kein beliebig austauschbarer Begriff für „Heuchler“.
    Zu Punkt 3: Auch die bis vor Kurzem ausschließlich männlich besetzen Körperschaften werden ja als die Polizei, die Feuerwehr, das Bundesheer bezeichnet; man muss also, wie du sagst, unterscheiden, ob die Körperschaft gemeint ist („die Polizei errichtete Straßensperren“) oder die Einzelperson („Die Polizistin Liese wurde beim Einsatz verletzt“). So auch bei „Die Lehrer, die Beamten“, wobei sprachlich ganz korrekt wäre „Die Lehrerschaft“ – aber das ist halt ein bissl antiquiert. Ähnlich bezeichnet ja auch „die Christen“ die „Christenheit“, aber: „Zunehmend verwenden auch Christinnen die Antibaby-Pille“. Oder: „Die Muslime beten zu Allah, aber nicht alle Musliminnen tragen einen Schleier.“
    Umgekehrt erklärte mir vor dreißig Jahren ein Floriani: „Bei der Feuerwehr wirds nie Frauen geben, weil es heißt eben der FeuerwehrMANN.“ Nun, beim Hochwasser habe ich viele stramme Feuerwehr-Frauen Sandsäcke füllen gesehen. Und natürlich gibt es heute auch eine Landeshauptfrau, die zusammen mit ihren männlichen Kollegen die Landeshauptleute ausmacht. Hier muss man eben der Tatsache die Bezeichnung folgen lassen. Nicht ausgestorben ist im Polizeideutsch „der weibliche Kriminalbeamte“, obwohl schon seit Jahrzehnten Kriminalbeamtinnen im Dienst sind. Und ich werde in Verträgen immer noch als „Der Autor Barbara B.“ bezeichnet und als „er“. Sooo schwierig ist es ja nun nicht die sehr zahlreichen Autorinnen auch als solche zu benennen, denn der Vertrag bezieht sich ja auf mich als weibliche Person. Anders: „Die Autoren sind verärgert über das Verhalten der Krankenkassen“…
    Ein Schmankerl habe ich im Ausspruch eines Papstes (müsste jetzt nachschauen welcher) gefunden: „Jesus hat nur Männer zu seinen Jüngern berufen und die Kirche tut es ihm gleich.“ Zwar verwechselt der gute Mann hier Apostel und Jünger, aber nehmen wir es als Freud´schen Versprecher. Er hätte es halt gern so.
    Am Besten, man hält es mit fragwürdigen Artikeln so wie die Wiener Mundart: da heißt es „Das Teller, der Schokolad, die Gas…“
    lgbb

    P.S. Der Mond ist nur im Deutschen männlich, in allen anderen europäischen Sprachen weiblich „la luna“, die Sonne männlich.

    • Das wäre tatsächlich eine gute Lösung, dass man nur bei den Einzelpersonen die Zusammenhänge der deutschen Sprache bewusst missversteht und grammatikalisches und biologisches Geschlecht zusammenfallen lässt.

      Aber die Wortungetüme von „Bürgerinnen und Bürgern“, „Lehrerinnen und Lehrern“, „Schülerinnen und Schülern“ sind entbehrlich.

      PS. Ist es nicht gerade ein Zeichen von nicht entschuldbarer Abhängigkeit des Weiblichen vom Männlichen, wenn fast alle (grammatikalisch) weiblichen Formen durch ein -in-Suffix von den (grammatikalisch) männlichen abgeleitet werden müssen? Warum sehen die Oberfeministinnen darin kein Problem? Die weiblichen Genderer würden es sich doch verbitten, als Männinnen bezeichnet zu werden, sie haben aber kein Problem damit, Schülerin, Bürgerin und Lehrerin zu sein.

      PPS. Das mit Mond und Sonne ist mir bewusst – die italienischen Genderer (gibt es die überhaupt?) würden eben die Testikel der Sonne suchen.

      • Nun, heißt es nicht in der Bibel: „Männin soll sie heißen, denn vom Mann ist sie genommen?“ Womit wir neben dem sprachlichen Krampf einen biologischen Unsinn haben, denn die Frau ist ja nicht als Abfallprodukt des Mannes entstanden, sondern war von allem Anfang an Frau.
        Und lehrte die Kirche nicht mehr oder minder offiziell, die Frau sei gar kein eigenständiges Wesen, sondern „ein missgebildeter Mann“?
        Das nenne ich Abhängigkeit, wenn man ein biologisches Geschlecht nicht als solches wahrhaben will – denn ich glaube, normalen Männern war immer klar, dass eine Frau kein missglückter Mann ist. 😉
        Es werden keineswegs alle weiblichen Formen von männlichen abgeleitet. Wir sagen ja Frau und nicht Männin, Mädchen und nicht Jungerin, Tante und nicht Onkelin, Mutter und nicht Vaterin, Schwester und nicht Bruderin, aber für Bürgerin, Schülerin, Lehrerin wüsste ich jetzt ad hoc auch kein anderes Wort. Umgekehrt spricht man ja auch vom Kindergärtner, Kosmetiker etc. wenn ein ursprünglich nur weiblich besetzter Beruf zunehmend von Männern ausgeübt wird.
        Natürlich entstehen da immer wieder gräuliche Wortungetüme – mein liebstes ist „Gästin“ – und die bekannten Stolpersteine mit dem „und“. Das sind meiner Meinung nach aber Kinderkrankheiten. Grundsätzlich lege ich schon einigen Wert darauf als Frau angesprochen zu werden, oder möchtest du einen Brief mit „sehr geehrtes Fräulein“ bekommen?

        • So ganz einfach ist das nicht: das Wort „Frau“ zum Beispiel hat mittelhochdeutsch den gleichen Stamm wie „Fron“, also Mann. In Wahrheit bedeutet „Frau“ also auch „Männin“.

          Was ich sagen wollte: die meisten grammatikalisch weiblichen Formen im Deutschen sind sekundär, vom grammatikalisch männlichen abgeleitet (eben durch das bei uns produktive Suffix -in), es gibt nur wenige, die eindeutig auch auf das weibliche biologische Geschlecht abzielen (wie Fräulein, Frau oder die von dir genannten Verwandtschaftsbeziehungen),

          Schauen wir ins Englische, dann ist dieses Missverhältnis noch eklatanter, weil diese Sprache ja ohne grammatikalische Geschlechter auskommt. Mir fällt hier ad hoc nur „king“ und „queen“ ein, wobei auch Friedrich Schiller in seinem Drama „Maria Stuart“ die titelgebende Figur sagen lässt: „Ich bin der König.“

          • So viel ich weiß bezeichnete „Frau“, wie auch „Herr“, in erster Linie die hohe soziale Stellung; das biologische Geschlecht wurde mit „Weib“ bezeichnet, das damals eben noch nicht abfällig gebraucht wurde („gebenedeit bist du unter den Weibern“).
            Ich sehe im Englischen kein Missverhältnis, weil es ja meistens gar keine spezifisch weibliche Form gibt, sondern ein Wort für beide Geschlechter, the teacher, the doctor… witzigerweise gibt es bei Tieren öfter geschlechtsspezifische Bezeichnungen: Dog and bitch, hen and cock, ram and ewe…
            Schwierig wird es, wenn ein männlicher Begriff auch weibliche Personen umfasst: „Ein neuer Gast kam in die Bar, eine kurvenreiche Blondine. Er bestellte zu trinken.“ Oder: „Sie bestellte zu trinken“? Und was mach ich, wenn es dann heißen muss: „Dieser vollbusige Gast im MInikleid flirtete mit seinem Nachbarn“? Oder: „Die vollbusige Gästin flirtete? Oder: Der Gast flirtete mit ihrem Nachbarn?
            Es scheint mir aber damit zusammenzuhängen, dass die Macht besitzende Schicht, und das waren nun einmal die Männer, alles erst einmal nach sich selbst definiert und alles andere von sich ableitet (so wie in der Apartheid „whites“ und „non-whites“). „Blacks“ existierten gar nicht, weder im Guten noch im Bösen. Noch in neuester Zeit gab es in Amerika das Bestreben Farbige als „partly whites“ zu definieren, auch wenn in ihrer Ahnenreihe kein einziger Weißer aufschien. Das betrachtete man sogar als besonders PC.
            Erinnert mich an meinen früheren Hausarzt, der mich so beschrieb: „sehr männlicher Charakter, tüchtig, fleißig, selbstbewusst…“ womit er ausdrückte, dass es in seiner Vorstellung nur nutzlose, faule und kriecherische Frauen gibt.
            Apropos: „Ich bin der König“: Auch Jeanne d´Árc sagte von sich: „Ich bin ein Kriegsherr.“

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