Pfingstsequenz VIII – ein offenes Herz

[Erste Strophe / Zweite Strophe / Dritte Strophe / Vierte Strophe / Fünfte Strophe / Sechste Strophe / Siebente Strophe]

Flecte quod est rigidum,
Fove quod est frigidum,
Rege quod est devium.

Ü1 (wörtlich)
Beuge, was starr ist,
Wärme, was kalt ist,
Lenke, was vom Weg weg ist.

Ü2 (Gotteslob)
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Ü3 (Bone)
Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irregeht.

1) Flecte – Fove – Rege: Die Imperative schließen direkt an die vorherige Strophe an und sind auch thematisch ähnlich: während die siebente Strophe den Heiligen Geist auffordert zu „waschen“; zu „bewässern“ und zu „heilen“, geht es nun darum, Erstarrungen zu  „lösen“, Kaltes zu „wärmen“ und Verirrtes zu „lenken“.

2) rigidum: Die Verhärtung des Herzens ist ein sehr häufig gebrauchtes Bild im Alten Testament für die Unfähigkeit, die Liebe Gottes anzuerkennen, zum Beispiel wird es bei der Erzählung über den Auszug aus Ägypten verwendet (vgl. zum Beispiel Ex 11,10).Selbstverständlich kann auch Ezechiel assoziiert werden, wo es heißt: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. (Ez 36,26). Auch im Neuen Testament verweist Jesus auf dieses alttestamentliche Bild im Zusammenhang mit der Ehescheidung: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. (Mt 19,8). Was hier vom Heiligen Geist erwartet wird, ist also das Öffnen der menschlichen Wahrnehmung für das Wirken der göttlichen Liebe. Die Verhärtungen des Herzens sollen durchbrochen werden, es soll fähig gemacht werden, die Liebe Gottes zu fühlen und anzunehmen.

3) frigidum: Neben der Bitte um Licht (radium) und Wasser (riga) fügt sich nun die dritte essentielle Voraussetzung für Leben an: Wärme. Gott wird damit als lebensspendend und menschenfreundlich charakterisiert.

4) devium: Dieser Begriff meint nicht nur „vom Weg abkommen“, sondern auch „sich selbst nicht mehr treu bleiben“ – die Lenkung, die vom Heiligen Geist erhofft wird, ist also keine von außen kommende Beeinflussung, die vielleicht dorthin führt, wo man nicht hin will, sondern eine Lenkung auf den Pfad des Glücks, eine Bitte um Hilfe auf Ab- und Umwegen.

4) Conclusio: Wie auch schon die siebente Strophe zählt diese Imperative auf, die alles von Gott erwarten: er soll den Menschen alles geben, was sie zu einem glücklichen und erfüllten Leben brauchen: ein offenes, lebendiges Herz, die Wärme der Liebe Gottes und eine liebevolle Hand, die sie führt.

Lehre mich lieben
du Familie des Heils
erweiche mein Herz

PAX

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3 Gedanken zu „Pfingstsequenz VIII – ein offenes Herz

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