Wer suchet, der findet

Kommentar zum 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Lk 11,9-13Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. 

Diese Stelle aus dem Lukasevangelium ist nichts weniger als eine Kurzformel für ein gelingendes, glückliches Leben, die in diametralem Gegensatz zum modernen, medial verstärkten und vermittelten Lebensentwurf steht (der frappante Ähnlichkeit mit buddhistischen Ideen aufweist). Das dort transportierte Credo ist: „Du schaffst alles allein, wenn du willst. Du brauchst niemanden, schon gar nicht Gott oder die Kirche, für dein eigenes Glück. Es geht nur um dich selbst.“

Das Gegenteil ist wahr.

Alle drei Aufforderungen Jesu haben eine Gemeinsamkeit. Bitten, suchen und anklopfen – es geht immer darum, dass man Hilfe braucht, dass man jemand anderen benötigt, dass man noch nicht dort angekommen ist, wo man hin soll:
1) man braucht jemanden, der die geäußerte Bitte erfüllt
2) man braucht jemanden, der die Tür öffnet
3) wenn man sucht, akzeptiert man die eigene Unzulänglichkeit, das eigene Noch-nicht-fertig- oder Unterwegs-Sein

Das ist natürlich schwer zu akzeptieren für den modernen Menschen, auf den alles eintrommelt, dass jede Bindung an Institutionen oder andere Menschen Unfreiheit bedeute, die abzulehnen oder zu bekämpfen sei. Dabei wird jedoch (absichtlich?) übersehen, dass eine (lebenslange) Bindung und wahres Glück einander nicht ausschließen, sondern sogar bedingen. In Wahrheit beneiden wir doch den alten, in sich ruhenden Mönch oder das lebenslang verheiratete alte Ehepaar um ihr Glück.

Ich würde sogar so weit gehen, dass ein Mensch, der aufhört zu bitten, anzuklopfen und zu suchen, innerlich tot ist. Das Unterwegs-Sein, das Auf-andere-verwiesen-Sein zeichnet den Menschen aus, das Auf-der-Suche-Sein und die zunehmende Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit, Bedürftigkeit und Begrenztheit. Insofern kann die moderne Überheblichkeit gegenüber Gott, Kirche und Gesellschaft als pubertär bezeichnet werden, als Infantilisierung, die gravierende Auswirkungen hat auf sämtliche Fragen der Öffentlichkeit, der Kultur und der Medien. Der Mensch hält es nun einmal nicht aus, der Nabel der Welt zu sein, er wurde zur (Nächsten-)Liebe, Gemeinschaft und Demut geschaffen.

Es kommt ja auch sicher nicht von ungefähr, dass heute ein ausgeprägter Jugend- und Schönheitskultur betrieben wird und die Abgeklärten und Weisen nicht angehört, sondern die Jugend verehrt wird, egal in welchen Bereichen des öffentlichen Lebens. Oder dass immer weniger Menschen zur Beichte gehen, um dort ihre eigenen Fehler und Schwächen zu bekennen.

Umso wichtiger, dass die Religion hier ein Korrektiv bildet. Sie leistet das Fundament unserer Gesellschaft, indem sie die Menschen daran erinnert, dass Solidarität, Demut und Nächstenliebe den Hochmut, den Neid und die Selbstverherrlichung überwinden können und zu wahrem Glück führen. Eine Gesellschaft aus hochmütigen Egoisten kann nicht gelingen, schon gar kein Leben, das so geführt wird.

Das Evangelium dieses Sonntags führt tief hinein in die inneren Zusammenhänge des Glücks: es kann nur im ehrlichen Suchen gefunden werden, nicht im Erzwingen; es kann nur im demütigen Bitten gefunden werden, nicht im Besitzen; und es kann nur im zaghaften Anklopfen gefunden werden, nicht im überheblichen Einfordern.

PAX

Advertisements

2 Gedanken zu „Wer suchet, der findet

  1. Interssant dabei ist, dass der Mensch noch nie so wenig Grund zur Arroganz hatte wie heute. Man sollte meinen, der Mensch sei arrogant gewesen, als er sich noch als Krone der Schöpfung fühlte, die Erde als Zentrum des Universums und er selbst der Fokus des göttlichen Interesses. Mittlerweile hat die Menschheit die drei „großen narzisstischen Kränkungen“ durch Kepler, Darwin und Freud mitgemacht, der Mensch weiß, dass seine DNA weitgehend der des Schimpansen gleicht, dass die Erde ein Fliegenschiss im Weltraum ist und er nicht einmal in seiner eigenen Seele Herr im Haus ist. Das wäre, meine ich, Grund genug sich als Wurm im Staube zu fühlen.
    Ich denke daher, diese sinnlose Vergötterung von Jugend, Reichtum, Ruhm und Macht ist eine Art Verzweiflungsreaktion, um nicht daran denken zu müssen, wie zerbrechlich und bedürftig der einzelne Mensch und die ganze Spezies sind.
    auf einer Satanisten-Website hab ich jetzt einmal gelesen: „Wir beten nur uns selber an, außer uns gibt es keinen Gott.“ Da hab ich mir gedacht: Warte nur, bis du einmal einen hundsordinären Darmkatarrh hast, wie weit es dann mit deiner Göttlichkeit her ist …
    Speziell Bindung, Unterstützung und Vertrauen sind heute in der anonymisierten Massengesellschaft wahre Kostbarkeiten. Oft in „Kleinigkeiten“: Letzthin hat meine Nachbarin meinen frisch opierten Hund vom Tierarzt geholt. Ich hab kein Auto, ein Taxi hätte ihn nicht mitgenommen, ich hätte nicht gewusst was ich tun soll.
    Das lässt sich allerdings nicht erzwingen, weder durch ein Ordensgelübde noch durch die Zwangsbindung an einen Partner. Es gibt ja genauso den vereinsamten, trunksüchtigen Priester und das alte Paar, dessen Verbindung nur im gegenseitigen Angeifern besteht, wie die heillos zerstrittene Familie. Und leider gibt es – wie man zurzeit an den Flüchtlingen im Servitenkloster sieht – jene, die bitten und anklopfen, denen keiner öffnet und keiner antwortet, die stattdessen als „millionenschwere Gangsterbosse“ diffamiert werden (als würden solche Bosse Wochen lang in der Votivkirche hungern und frieren). Oder solche wie die kleine Sofia, deren Bitten ungehört verhallen.
    Allerdings gibt es da auch viele Menschen, die sich solidarisch erklären und tun, was sie können, um zu helfen – da hat der Kardinal bei mir wieder einmal einen Einser mit goldenem Sternderl, vom Küberl gar nicht zu reden.
    bb

    P.S. Da hab ich einmal etwas so Liebes gesehen: Ein uraltes, klappriges Mutterl hilft ihrem noch viel klapprigeren und offenbar ein bissl dementen Gatten fürsorglich über die Straße und drückt ihm, in Sicherheit angekommen, ein Busserl auf die Wange. Sowas geht ans Herz! Genauso hab ich einmal in der U-Bahn ein Paar gesehen, das Händchen hielt; sie haben mir dann erzählt, sie seien beide über achtzig und seit 60 Jahren verheiratet. Ich hab gefragt, wie man das schafft, da sagt der alte Schlingel: „Ah, i hab einfach meina Frau ollerwei recht geben!“ 🙂

  2. Da jetzt der Wahlkampf mit all seinen Kotzbrocken über uns hereinbricht, ist mir noch etwas eingefallen zu deinem Statement: „Das ist natürlich schwer zu akzeptieren für den modernen Menschen, auf den alles eintrommelt, dass jede Bindung an Institutionen oder andere Menschen Unfreiheit bedeute, die abzulehnen oder zu bekämpfen sei.“
    Wenn der moderne Mensch nicht ganz dämlich ist, dann hat er bei vielen dieser Institutionen schon gemerkt, was sie wert sind. Wer glaubt denn heute noch wirklich, dass die SPÖ für den kleinen Arbeiter da ist oder die ÖVP – die sich eben gerade für den Schutz der Millionäre stark macht und den Mindestbesicherungen jeden Cent dreimal umdrehen will – christliche Werte vertritt? Wer glaubt, dass ein mit dem Kreuz fuchtelnder Strache für ein christliches Abendland eintritt? Wer macht sich nicht seine Gedanken über die vielen Betrugs-Prozesse, in denen jetzt das Erbe der schwarzblauen „Koalititon der Anständigen“ aufgearbeitet wird? Fast jede Institution scheint nur noch daran interessiert zu sein, sich möglichst schnell mit möglichst viel Steuergeld und Spenden die Taschen vollzustopfen. Wir haben nichts gewonnen, wenn wir über die vielen kleinen hochmütigen Egoisten klagen und dabei die großen hochmütigen Egoisten an der Spitze hofieren.
    Und ist es bei den Kirchen anders? Ich stelle gerade wieder (anhand meiner Kirche) fest, dass man nur Interesse an leicht zu verwaltenden Bählämmern hat, die im Chor längst unverständliche Glaubenssätze nachblöken und danach zu Kaffee und Kuchen eilen. Im April hieß es – nachdem Gespräche über moderne Glaubensfragen strikt abgelehnt wurden – es sollte wenigstens eine Bücherliste auf unserer Website veröffentlicht werden. Aber erst im Sommer, weil da die Frau Pfarrer Zeit hat. Jetzt hat sie wieder keine Zeit und im Herbst natürlich erst recht nicht, sie muss sich ja mit Krippenspielen und Ausstellungen frommer Bilder befassen. Wer nicht damit zufrieden ist, als hirnloses Kirchenbänkefüllmaterial zu dienen, der kann ja gehen – wie mir bedeutet wurde. Übrigens hab ichs mit einer Anfrage bei der theologischen Online-Beratung von evang.at versucht und den hilfreichen Tipp bekommen, dass es in Bibliotheken Bücher zu religiösen Themen gäbe. Wär ich nie von selber drauf gekommen.
    Und wie fühlt man sich, wenn man für irgendeine menschenfreundliche Gesellschaft spendet und dann erfahren muss, dass sich irgendwelche hiesigen oder ausländischen Schlitzohren von den Spenden die Nase vergoldet haben? Siehe „Menschen für Menschen“ oder „World Vision“.
    Ich kann schon verstehen, dass der moderne Mensch keine Lust mehr hat, als Stimmvieh, Melkkuh oder Kirchenschaf benutzt zu werden und sich lieber einen hochmütigen Egoisten schimpfen lässt…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s