Evangelii Gaudium I – Die Gefahren der Konsumkultur

In unregelmäßigen Abständen möchte ich in der nächsten Zeit meine Gedanken zu einigen Teilaspekten des Schreibens Evangelii Gaudium von Papst Franziskus zu Blog bringen.

Gleich zu Beginn fasst Franziskus zusammen, worin die Gefahr besteht, deren sich die Menschen von heute ausgesetzt sehen:

Die große Gefahr der Welt von heute mit ihrem vielfältigen und erdrückenden Konsumangebot ist eine individualistische Traurigkeit, die aus einem bequemen, begehrlichen Herzen hervorgeht, aus der krankhaften Suche nach oberflächlichen Vergnügungen, aus einer abgeschotteten Geisteshaltung. Wenn das innere Leben sich in den eigenen Interessen verschließt, gibt es keinen Raum mehr für die anderen, finden die Armen keinen Einlass mehr, härt man nicht mehr die Stimme Gottes, genießt man nicht mehr die innige Freude über seine Liebe, regt sich nicht die Begeisterung, das Gute zu tun. Auch die Gläubigen laufen nachweislich und fortwährend diese Gefahr. Viele erliegen ihr und werden zu gereizten, unzufriedenen, empfindungslosen Menschen. Das ist nicht die Wahl eines würdigen und erfüllten Lebens, das ist nicht Gottes Wille für uns, das ist nicht das Leben im Geist, das aus dem Herzen des auferstandenen Christus hervorsprudelt. (EG 2)

Welche Diagnose nennt der Papst für den modernen Menschen?
1) eine individualistische Traurigkeit
2) ein bequemes, begehrliches Herz
3) eine krankhafte Suche nach oberflächlichen Vergnügungen
4) eine abgeschottete Geisteshaltung

Welche Konsequenzen hat diese Diagnose?
A) Egoismus
B) kein Raum mehr für die Armen
C) Taubwerden für die Stimme Gottes
D) Unempfindlichkeit für die Freude über die Liebe Gottes
E) Motivationslosigkeit, Gutes zu tun
F) der Mensch wird gereizt, unzufrieden, empfindungslos

Der Papst stimmt hier ein in einen allgemein kulturpessimistischen Ton, den wir von anderswo auch kennen. Es wird jedoch in Evangelii Gaudium nicht die Klage erhoben, früher wäre alles besser gewesen; und das ist gut so, schließlich hat jede Zeit ihre eigenen Schwierigkeiten und ist nur bedingt mit anderen vergleichbar. Konzentrieren wir uns also auf die modernen.

ad 1) Die moderne Geisteshaltung versteht den Wert der echten Freude nicht mehr, Freude wird – aus den vielfältigsten Gründen – mit Spaß verwechselt, mit oberflächlicher Zerstreuung. Diesem Befund kann ich nur zustimmen, obwohl auch eine starke Gegenströmung zu bemerken ist, die wieder das einfache und ungekünstelte Leben in den Vordergrund stellt. Dennoch muss die Verwechslung von Freude und Spaß zu einer Traurigkeit im Leben führen: schließlich ist Spaß vergänglich und flüchtig, Freude jedoch kann „Kreise ziehen“.

ad 2) Das allgemeine Lamento über Kinder, die viel zu viel bekommen und dadurch den Wert eines Geschenkes nicht mehr schätzen, geht für mich viel zu wenig weit: es sind doch letzten Endes wir Erwachsenen, die zu viel haben und dadurch nicht mehr schätzen können, was wir haben. Besitz kann wie eine Sucht werden, wie ein Streben nach immer mehr. Gleichzeitig nennt der Papst ein „bequemes Herz“, also nicht nur eine körperliche Bequemlichkeit, sondern eine geistige: ein Verharren in Althergebrachtem, ein Delegieren von Verantwortung, ein Heulen mit den Wölfen des Zeitgeistes.

ad 3) Die Möglichkeiten, oberflächlichen Vergnügungen nachzugehen, waren noch nie so vielfältig wie heute. Das heißt nicht, dass alles früher ernsthaft und tiefgründig war, sondern dass die Versuchungen in der Moderne, sich nur berieseln zu lassen und oberflächlich dahinzuleben, schwerer zurückzuweisen sind als früher.

ad 4) All das führt zu einer Lebenseinstellung, welche nur das eigene Wohl (und das der Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung) im Sinn hat. Paradoxerweise ist zum Beispiel der alljährliche Spendenmarathon anlässlich von „Licht ins Dunkel“, wo immer wieder mehrere Millionen Euro gespendet werden, ein beredter Beleg für diese These. Wenn wir uns schon in unserem Alltag wenig solidarisch zeigen mit anderen, dann drückt gerade zu Weihnachten (warum eigentlich?) das schlechte Gewissen und wird durch Geldspenden beruhigt. Das ist natürlich besser, als gar nichts zu tun, aber dennoch ein Hinweis auf eine während des Jahres nicht besonders solidarische Geisteshaltung. Obwohl es auch hier zahlreiche Gegenbeispiele gibt: die gesellschaftliche Grundstimmung des „Was bringt mir das?“ ist zu stark, um ihr standzuhalten.

Schauen wir uns nun die Konsequenzen an, die der Papst hier nennt:

ad A) Leben wir in einer egoistischen Gesellschaft? Hier einfach mit Ja oder Nein zu antworten, greift zu wenig weit. Die Möglichkeiten, anderen Menschen zu helfen, sind durch unseren Fortschritt in Technologie und Politik immens gewachsen im Vergleich zu früher. Durch das Internet besteht zum Beispiel die Möglichkeit, sich über Petitionen und Solidaritätskundgebungen mit anderen Menschen weltweit zu vernetzen und sie in ihrem Freiheitskampf zu unterstützen. Durch die moderne Technik ist Geld zu spenden noch nie so einfach gewesen, die modernen Medien bringen Bilder und Berichte von Naturkatastrophen zeitgleich in unsere Wohnzimmer und ermöglichen es so, Solidarität mit den betroffenen Menschen zu zeigen, indem man spendet oder sich sonstwie an Hilfsaktionen beteiligt. Dennoch führt die Flut an Bettelbriefen und Katastrophenmeldungen zu einer Abstumpfung, ganz abgesehen davon, dass auch in unserer so reichen Gesellschaft der Einzelne nicht die ganze Welt retten kann. Blicken wir auf den Alltag, so ist auch zu bemerken, dass der Fokus auf den eigenen Vorteil gesetzt wird, eine typisch menschlichen Versuchung, die jedoch noch nie so allgegenwärtig war und noch nie in so eindrucksvollen Fernseh- und Werbebilder dahergekommen ist.

ad B) Die Armen sind das Lieblingsthema von Franziskus, da befindet er sich in guter Gesellschaft mit Franz von Assisi und Jesus von Nazareth. Einerseits fängt die soziale Marktwirtschaft zahlreiche Härtefälle auf, andererseits gibt es noch immer ungefähr eine Million Österreicher, die von Armut betroffen sind. Vielleicht ist ein Staat, der sich sehr in der Armutsbekämpfung engagiert, nicht der Weisheit letzter Schluss: deligieren doch die Bürger dann ihre persönliche Verantwortung an den Staat und legen ihre Hände in den Schoß.

ad C) Ein Aspekt, der m.E. unwidersprochen bleiben sollte: die Lautstärke unseres Lebens übertönt die feine Stimme Gottes. Wann kommt der moderne Mensch zur Ruhe und hört in sich hinein, wenn sogar das „Wellnessen“ zu Freizeitstress führt? Wir sind gehetzt und überhören allzu gerne die Stimme Gottes, die uns an seine Liebe erinnert und daran, dass er uns ein freudevolles und glückliches Leben wünscht und kein hektisches.

ad D) Sich zu bedanken ist auch etwas, das viele Menschen erst lernen müssen. Nicht mehr jedes Erziehungskonzept sieht vor, dass sich Kinder bedanken sollten, wenn sie etwas bekommen. Das ist insofern schade, weil sie dann auch unfähig sind, ihr Leben und ihr Dasein als Geschenk anzunehmen und so auch daran Freude haben können. Unmöglich ist es dann aber auch, Gott für etwas zu danken, seine Liebe als unverdientes Geschenk anzunehmen und daraus eine andere, freudevolle Lebenseinstellung abzuleiten. Letzten Endes sind undankbare Menschen taub für Gott.

ad E) Für diesen Punkt gelten dieselben Bemerkungen wie für B. Es gibt zahllose Menschen, die ihr ganzes Leben dem Gutes-Tun verschrieben haben und auch die westlichen Staaten bemühen sich um einen Ausgleich, eine Verteilung der Güter. Die Gefahr besteht jedoch, dass diese Menschen als Heilige verklärt werden bzw. der Staat als alleiniger Träger des Ausgleichs verstanden wird, sodass man sich als Einzelperson zurücklehnen kann und mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben will.

ad F) Ich kenne Menschen, die dem Befund des Papstes entsprechen: Menschen, die nicht „Danke“ sagen können, die ihr Leben lang auf der Suche nach Möglichkeiten sind, dass andere für ihr Leben Verantwortung übernehmen, die nie an ihrer persönlichen Misere schuld sind und empathielos für andere Menschen dahinleben. AMS-Kurse und staatliche Ausgleichszahlungen verstärken paradoxerweise diesen Lebensstil: Vater Staat übernimmt dann die Verantwortung dafür, dass der Einzelne im Leben weiterkommt. Allzu leicht gewöhnt man sich an diese Situation und plötzlich sind andere Menschen überhaupt nur dazu da, um den eigenen Lebensstil zu ermöglichen. Ich muss nicht erwähnen, dass diese Menschen für Gottes Liebe wenig übrig haben.

Franziskus fasst in wenigen Worten einige drängende Probleme der westlichen Gesellschaften zusammen. Dabei spricht er nicht als Kulturpessimist oder als Kulturwissenschaftler, sondern als Seelsorger: durch die vielfältigen Ablenkungen der modernen Konsumwelt wird es für den Einzelnen zunehmend schwerer, sich auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu konzentrieren, die Stimme Gottes im eigenen Leben zu hören und eine wirkliche Freude zu erleben, die das ganze Leben verändern kann.

Im Vordergrund steht meines Erachtens aber ein Letztes: Durch den modernen Lebensstil bringt sich der Mensch um etwas, er hat zahlreiche Möglichkeiten, Spaß zu haben, aber immer weniger die Fähigkeit, wirkliche, echte Freude zu erleben, die aus einem dankbaren Herzen kommt.

Armer, reicher Zeitgenosse …

PAX

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4 Gedanken zu „Evangelii Gaudium I – Die Gefahren der Konsumkultur

  1. Lieber Fecistinos,
    wie schaffst du das, aus Franziskus´ leidenschaftlicher Option für die Armen eine neoliberale Philippika gegen die „armen, reichen Zeitgenossen“ zu machen, die sich „mit AMS-Kursen und Ausgleichszahlungen“ auf Kosten der Allgemeinheit mästen? Glaubst du wirklich, dass nur die Dummen und Faulen keinen gutbezahlten Job kriegen – in einer Gesellschaft, in der du mit 45 vom AMS als „aus Altersgründen unvermittelbar“ abgelehnt wirst? In der Menschen zwei Jobs haben und doch um staatliche Unterstützung bitten müssen? Du drehst Franziskus ja die Worte im Mund um, wenn du meinst, es müsste jeder selber schauen, wo er bleibt, und wers nicht schafft, denn werfen wir eben den Wölfen zum Fraß vor. Hilfe für Arme, Alte, Schwache, Behinderte, Flüchtlinge? Nix da! Wir würden die doch nur in ihrer Faulheit und Unfähigkeit bestärken, wenn wir „paradoxerweise ihren Lebenstil verstärken“ und ihnen helfen.
    Natürlich gibt es und wird es immer Menschen geben, die den Staat und die private Wohltätigkeit ausnutzen, aber da denke ich eher an Leute, die dir gar nicht einfallen – z.B. die Großunternehmer wie Amazon, die ihre Teilzeitkräfte gnadenlos ausbeuten, die Finanzjongleure, die so nebenbei ein paar MIlliönchen einstreifen, oder die Frau Lindner, die die Spendengelder für krebskranke Kinder an ihren Lebensgefährten weiterschaufelte. Nein, die kommen dir nicht in den Sinn. Auch nicht die Protz-Bischöfe, die sich von den Scherflein der Witwen ein millionenschweres Luxusdomizil bauen.
    Ich glaube, in dem Punkt bist du nicht auf einer Linie mit dem Papst, ganz zu schweigen von Franz von Assissi und Jesus voin Nazareth.

    P.S. Mein positiver Kommentar zu anderen Teilen deines Blogs folgt am späten Nachmittag!

    • Da hast du einen Teilaspekt meines Postings (in Summe vier Zeilen) herausgenommen und ihm damit einen Stellenwert zugemessen, der nicht in meiner Intention war. Bei Franziskus‘ Aussage sind mir „gereizte, unzufriedene, empfindungslose“ Menschen eingefallen. Ich habe nicht gefordert, dass irgendwelche Sozialleistungen einzustellen sind oder irgendwer den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen ist. Ich finde es nett, wenn du versuchst, meine (Hinter-)Gedanken zu lesen, sei jedoch versichert, dass dies gründlich misslungen ist.

  2. 1)
    Du schreibst: „Menschen, die nicht “Danke” sagen können, die ihr Leben lang auf der Suche nach Möglichkeiten sind, dass andere für ihr Leben Verantwortung übernehmen, die nie an ihrer persönlichen Misere schuld sind und empathielos für andere Menschen dahinleben. AMS-Kurse und staatliche Ausgleichszahlungen verstärken paradoxerweise diesen Lebensstil: Vater Staat übernimmt dann die Verantwortung dafür, dass der Einzelne im Leben weiterkommt. Allzu leicht gewöhnt man sich an diese Situation und plötzlich sind andere Menschen überhaupt nur dazu da, um den eigenen Lebensstil zu ermöglichen. Ich muss nicht erwähnen, dass diese Menschen für Gottes Liebe wenig übrig haben.“
    Ich glaube nicht, dass ich da HIntergedanken hineingelesen habe, die Aussage war ganz klar: Menschen, die AMS-Kurse und Ausgleichszahlungen in Anspruch nehmen, tun das, weil es ihr Lebensstil ist, andere für sich sorgen zu lassen, und sind daher empathielose Gesellen, gereizte, empfindungslose Menschen, die nicht Danke sagen können und für Gottes Liebe wenig übrig haben.
    Den Hintergedanken, dass all jene Gutsituierten, die niemals um staatliche HIlfe bitten mussten, Menschen voll Mitgefühl sind, ausgeglichen, dankbar und offen für Gottes Liebe, will ich dir nicht unterstellen.
    Aber insofern hast du recht, als das nur ein paar Zeilen waren, und ich wende mich dem positiven Teil zu.
    2)
    Ich bin 110% einer Meinung mit Papst Franziskus, dass die „Spaßgesellschaft“ etwas Widerliches ist. In all den Psychotherapien, die ich immer wieder angefangen habe, hieß die erste Frage: „Was würde Ihnen Spaß machen?“ Und auf meinen Einwand, dass Spaß allein doch wohl nicht alles sei, wurde ich mit bedeutungsvollem Ernst gefragt: „Ist es denn ETWAS BÖSES, Spaß zu haben?“ Nein, ist es nicht, aber man will ja auch nicht den ganzen Tag nur Schokobonbons essen. Was ist denn, wenn Schluss mit lustig ist? Wenn das Leben zur Tragödie wird oder man an all den Bespaßungen einfach nicht mehr teilhaben kann? Dann ist man peinlich, ein Spaßverderber, den man rasch hinauskomplimentiert, von dessen Elend man nichts wissen will, wir sind ja alle so lustig – wenn auch viele mit verkrampftem Grinsen und in panischer Angst, einmal selber zu den Unlustigen gezählt zu werden. Ich finde, Zulehner hat das in seinen Überlegungen zum „Leben unter dem geschlossenen Himmel“ sehr gut ausformuliert, diesen Zwang zur ständigen hektischen Partystimmung, bei der insgeheim alle wissen, dass das nicht ewig anhält. Ich war heute meine 89jährige Mutter im Spital besuchen, auf der geriatrischen Abteilung, sie ist gottseidank wieder recht fit, aber in ihrem Zimmer lagen drei alte Frauen, bei denen ich mir dachte: Was dann, wenn es soweit ist? Wenn man zwangsläufig zum Spaßverderber wird? Unattraktiv, unnütz, schwierig, lästig? Da wünsch ich mir wieder das gute alte Christentum, das aus der Krankensalbung sogar ein Sakrament gemacht hat: Beistand im Leiden, Beistand am Ende.
    Hand in Hand mit der Spaßgesellschaft geht die allgemeine Verblödung. Da gibt es echt Leute, die einen Abend lang vor dem Fernseher sitzen, um brüllend vor Lachen zuzusehen, wie andere in Engerlingen wühlen oder Nacktschnecken fressen. Und „Dschungelcamp“ ist ja nur eine von vielen Idiotensendungen. Das unser geistiges Niveau inzwischen so niedrig ist, dass ein beträchtlicher Teil der Europäer kaum noch lesen kann, ist ja bekannt.
    Fortsetzung folgt!

  3. „Die Gefahren der Konsumgesellschaft…“
    So schätzenswert dieses päpstliche Schreiben an sich ist, frage ich mich, ob der Papst sich hier nicht mit den Problemen von gestern beschäftigt. Die Gefahren der Konsumgesellschaft betreffen erstens nur einen Teil der Welt und auch in den westlichen Gesellschaften wird der Prozentsatz jener, die am Konsum nicht teilhaben können, immer höher. Noch versucht man die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich damit schönzureden, dass die Reichen eben die „Leistungsträger“ sind und die Armen „arbeitsscheues Gesindel“, aber das wird immer weniger glaubhaft. Das große Problem des 21. Jahrhunderts wird, so glaube ich jedenfalls, dieser Gegensatz sein, der sich ja zurzeit in der Frage der Armutszuwanderung drastisch zeigt. Unmittelbar neben uns wohnen Menschen, EU-Bürger, die rein gar nichts haben, und jenseits des Mittelmeers drängen die Armen der dritten Welt an die reich gedeckten Tische des Westens. Aber auch innerhalb der reichen Gesellschaft nehmen die Armen zu – Menschen, die im Winter nicht heizen können, von jeder Extraausgabe aus der Bahn geworfen werden etc. Viele dieser Menschen sind Kinder.
    Und natürlich – aber das weiß der Papst sicherlich auch – sind Menschen nicht schon deshalb edler und gottseliger, weil sie nichts oder nur wenig haben. Armut allein ist noch keine Tugend. Insofern ist die Konsumkultur nicht das Problem an sich, sondern nur eine spezifische Ausformung des Problems.
    Schon wird die soziale Unruhe in vielen Teilen der Welt immer größer und nimmt immer gewalttätigere Formen an. Die Reichen werden immer unverschämter und gieriger, die Armen immer rabiater. Die Kirche wird hier Stellung beziehen müssen, wenn sie nicht – wie seinerzeit angesichts des Arbeiterelends – an Glaubwürdigkeit verlieren will.

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