Evangelii Gaudium II – Fastenzeit ohne Ostern

Es gibt Christen, deren Lebensart wie eine Fastenzeit ohne Ostern erscheint. Doch ich gebe zu, dass man die Freude nicht in allen Lebensabschnitten und -umständen, die manchmal sehr hart sind, in gleicher Weise erlebt. Sie passt sich an und verwandelt sich, und bleibt immer wenigstens wie ein Lichtstrahl, der aus der persönlichen Gewissheit hervorgeht, jenseits von allem grenzenlos geliebt zu sein. Ich verstehe die Menschen, die wegen der schweren Nöte, unter denen sie zu leiden haben, zur Traurigkeit neigen, doch nach und nach muss man zulassen, dass die Glaubensfreude zu erwachen beginnt, wie eine geheime, aber feste Zuversicht, auch mitten in den schlimmsten Ängsten: „Du hast mich aus dem Frieden hinausgestoßen; ich habe vergessen, was Glück ist […] Das will ich mir zu Herzen nehmen, darauf darf ich harren: Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft, sein Erbarmen ist nicht zu Ende. Neu ist es an jedem Morgen; groß ist deine Treue […] Gut ist es, schweigend zu harren auf die Hilfe des Herren“ (Klg 3,17.21-13.26) (EG 6)

Der Papst stellt hier Freude und Traurigkeit einander gegenüber. Auf der einen Seite die Freude des von Gott Geliebten, auf der anderen Seite die Traurigkeit dessen, der sich von den Sorgen seines Lebens niedergedrückt erfährt.

Besonders gut gefällt mir das Bild von der „Fastenzeit ohne Ostern“: Es ruft in Erinnerung, dass die Fastenzeit ohne Ostern nicht verständlich ist, dass ausschließliches Fasten um des Fastens willen so sinnlos ist wie Golfspielen auf dem Mond. Der Papst ist sich sicher, dass das Bewusstsein, von Ihm bedingungslos geliebt zu werden, in jeder auch noch so schweren Lebenssituation eine Stütze sein kann, ein Lichtstrahl des Guten.

Das geht um einiges über ein billiges „Denke positiv“ hinaus. Auch esoterische Anwandlungen wie ein „gut gestimmtes Universum“ oder „Irgendetwas Höheres“ können diese Freude nicht geben, von der der Papst spricht: nein, nur die Liebe Gottes, der uns bedingungslos annimmt und sich um uns sorgt, vermag eine solche Freude zu geben.

PAX

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