Gott und die Sprache IV – Evangelii Gaudium III

Nach den schon erfolgten Auseinandersetzungen mit dem Thema Gott und die Sprache (I, II, III) nun eine Aktualisierung im Licht von Evangelii Gaudium:

Zugleich erfordern die enormen und schnellen kulturellen Veränderungen, dass wir stets unsere Aufmerksamkeit darauf richten und versuchen, die ewigen Wahrheiten in einer Sprache auszudrücken, die deren ständige Neuheit durchscheinen lässt. Denn im Glaubensgut der christlichen Lehre „ist das eine die Substanz […] ein anderes die Art und Weise, diese auszudrücken.“ (Johannes XXIII: Ansprache zur feierlichen Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, 11. Oktober 1962, 792). Manchmal ist das, was die Gläubigen beim Hören einer vollkommen musterhaften Sprache empfangen, aufgrund ihres eigenen Sprachgebrauchs und -verständnisses etwas, was nicht dem wahren Evangelium Jesu Christi entspricht. In der heiligen Absicht, ihnen die Wahrheit über Gott und den Menschen zu vermitteln, geben wir ihnen bei manchen Gelegenheiten einen falschen „Gott“ und ein menschliches Ideal, das nicht wirklich christlich ist. Auf diese Weise sind wir einer Formulierung treu, überbringen aber nicht die Substanz. Das ist das größte Risiko. Denken wir daran: „Die Ausdrucksform der Wahrheit kann vielgestaltig sein. Und die Erneuerung der Ausdrucksformen erweist sich als notwendig, um die Botschaft vom Evangelium in ihrer unwandelbaren Bedeutung an den heutigen Menschen weiterzugeben.“ (Johannes Paul II., Ut unum sint, 25. Mai 1995, 933). (EG 41)

So oder so ähnlich haben wir das auch schon gesehen, die Frage ist nur, was „umformulieren“, was beibehalten, was genauer erklären, was aufgeben? Der Papst führt weiter aus:

Das hat eine große Relevanz in der Verkündigung des Evangeliums, wenn es uns wirklich am Herzen liegt zu erreichen, dass seine Schönheit besser wahrgenommen und von allen angenommen wird. In jedem Fall können wir die Lehren der Kirche nie zu etwas machen, das leicht verständlich ist und die uneingeschränkte Würdigung aller erfährt. Der Glaube behält immer einen Aspekt des Kreuzes, eine gewisse Unverständlichkeit, die jedoch die Festigkeit der inneren Zustimmung nicht beeinträchtigt. Es gibt Dinge, die man nur von dieser inneren Zustimmung her versteht und schätzt, die eine Schwester der Liebe ist, jenseits der Klarheit, mit der man ihre Gründe und Argumente erfassen kann: Darum ist daran zu erinnern, dass jede Unterweisung in der Lehre in einer Haltung der Evangelisierung geschehen muss, die durch die Nähe, die Liebe und das Zeugnis der Zustimmung des Herzens weckt. (EG 42)

Wenn ich den Papst richtig verstanden habe, so meint er, dass die (religiöse) Sprache Grenzen aufweist, wenn man religiöse Wahrheiten ausdrücken möchte, die unüberwindbar sind. Dabei spricht er meines Erachtens auch gegen eine zu simple und vereinfachende Wortwahl, die die religiöse Wahrheit banalisiert.

Also auch hier Widersprüchliches: einerseits ist es notwendig, die religiösen Wahrheiten in ihrer sprachlichen Vermittlung an die heutige Wortwahl und Sprachschicht anzupassen, andererseits muss man sich der Grenzen sprachlicher Kommunikation bewusst sein, insbesondere was das Ausdrücken religiöser Zusammenhänge angeht.

Sind wir nun so klug „als wie zuvor“?

Wir werden sehen, welche konkreten Schritte Franziskus setzt, um eine bessere Verständlichkeit der religiösen Sprache zu erreichen.

Man darf gespannt sein.

PAX

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3 Gedanken zu „Gott und die Sprache IV – Evangelii Gaudium III

  1. Ich bin (angenehm) überrascht, dass der Papst die Wichtigkeit einer zeitgemäßen Sprache erkannt hat. Ich habe ja diese Woche ein Telefonat mit meinem Pfarrer geführt, bei dem dann so langsam die wahre Ursache meiner vergeblichen Fragen herauskam: „Naja, was da in der Bibel steht, das haben die Menschen früher einmal geglaubt, das glaubt heute natürlich niemand mehr, aber wir dürfen die nicht kränken, die noch daran hängen…“ Ich war entsetzt.
    Das Problem hat sich ja eigentlich schon immer gestellt, nämlich in der Mission, wo es darum ging, Evangelium für fremde Kulturen verständlich zu machen – da gabs ein sehr amüsantes Buch voin den Wyclif-Bibelübersetzern zu dem Thema: Wie übersetzt man Begriffe in einer Kultur, in der es keinen korrelierenden Begriff gibt? Gewissermaßen ist ja die heutige Menschheit auch eine fremde Kultur, weit entfernt von der Welt, in der die Schreiber der Bibel und die Kirchenlehrer lebten. Vieles muss man diesem Volk erst umständlich erklären, bis ein Aha-Erlebnis eintritt, sehr oft verstellt das Bild die Aussage, weil es uns nichts mehr sagt. Allerdings sind die heutigen Evangelisten nicht die einzigen, die vor diesem Problem stehen, das hatte schon Paulus, als er in Griechenland und dem römischen Reich eine völlig andere Gedankenwelt vorfand.
    Ja, was tun? Die Traditionalisten stecken einfach den Kopf in den Sand, die Liberalen nähern sich sehr stark den Esoterikern an, und die Praktiker predigen weiterhin Glaubenssätze, über die sie dann bereits in der Sakristei den Kopf schütteln.
    Allerdings hat das Christentum bereits den Transfer in den Hellenismus, in die römische Bürokratie, ins germanische Heidentum und in die Zweidrittelwelt überstanden, da wird es ja wohl auch noch möglich sein, es dem modernen Menschen nahezubringen.
    Vielleicht sollte man die Jesuiten fragen? 🙂

      • Ja, das könnte ich mir gut vorstellen, denn Kunst – bildende Kunst und Musik – setzen auf einer tieferen Ebene an, sind allgemeiner verständlich als das geschriebene Wort – außerdem haben ja längst nicht alle Kulturen eine Schriftsprache. (Unsere Kultur ist gerade dabei, sie zu verlieren und sich nur mehr über SMS-Kürzel und Emoticons zu verständigen.) Aber gerade in der Malerei (für Musik bin ich Schweinsohr nicht zuständig) zeigt sich ja sehr deutlich, wie ein Stil unverständlich, sogar lächerlich werden kann, wenn er nicht zu einem Zeitgefühl passt. So sprechen uns heute zwar z.B. die Höhlenmalereien immer noch an, aber das Barock mit seinen fetten rosa Putten gehört mehr in die Heiterkeits-Abteilung.
        Bei der Sprache denke ich: So nah an der gepflegten Alltagssprache wie möglich. Ich könnte dem Papst ja Hans Küngs „Credo“ als schätzenswertes Beispiel empfehlen, aber ob er das akzeptiert… Naja, ich würde ihm sogar zutrauen dass er mit Küng kann.

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