Die Auferstehung des ganzen Menschen

Die Darstellung der Auferstehung Jesu Christi am Isenheimer Altar des Matthias Grünewald hat mich schon immer bewegt. Dass sich zunächst einmal ein Künstler traut, den Auferstandenen darzustellen, ist eine sehr bemerkenswerte Angelegenheit, nicht viele haben das gewagt.

Christus hat bei Matthias Grünewald als Auferstandener folgende Merkmale:

  • Sein Leib ist verklärt, er wirkt richtiggehend durchsichtig, von einem Strahlenkranz umgeben.
  • Jesus ist jedoch als er selbst erkennbar. In der Auferstehung erschafft Gott also den Leib zwar neu, aber nicht anders (im Gegensatz zum Wiedergeburtsglauben). Besonders augenfällig wird diese Erkennbarkeit an den Stigmata, die Christus präsentiert: die Seitenwunde, die Hand- und Fußwunden.

Für mich sagt dieses Bild sehr viel aus über unseren Auferstehungsglauben, besonders in unserer Zeit des Synkretismus und der Vermischung unterschiedlichster Elemente der Religionen.

  • Zunächst einmal ist der Glaube an die leibliche Auferstehung durchdrungen von einer Leibfreundlichkeit, die ihresgleichen in der Menschheitsgeschichte sucht: wenn es unser persönlicher Leib ist, der von Gott in der Auferstehung wiederhergestellt wird, so ist er tatsächlich der Tempel, um den wir uns gut kümmern sollten. Die Vorstellung von einer Wiedergeburt in anderen (vielleicht sogar tierischen) Körpern birgt eine andere Botschaft: dann ist es egal, wie der Leib behandelt wird, die Hauptsache ist ohnehin der Geist.
  • Das Christentum sagt also mit der Botschaft von der leiblichen Auferstehung, dass Leib und Seele eine Einheit bilden würden. Von Anfang an ist dieser Botschaft widersprochen worden: zu Beginn vonseiten der Gnosis, heute vonseiten eines esoterischen Neuheidentums. Dennoch hat die Kirche an dieser Botschaft festgehalten und sie tut gut daran, sie angesichts leibfeindlicher Tendenzen in ihrer Geschichte noch weiterhin hochzuhalten.
  • Wenn Christus seine Wunden präsentiert, so ist das auch eine Botschaft im Zusammenhang mit dem Leiden des Menschen. Die Wunden, die wir in unserem Leben erfahren, sind Teil unserer selbst, sie werden in der Auferstehung verklärt, aber nicht versteckt. Christus solidarisiert sich in seinem Leiden mit dem Leiden aller Menschen.

Möge uns Menschen des 21. Jahrhunderts diese Botschaft wieder mehr Lebensfreude und Glaubensgewissheit verschaffen!

PAX

 

PS. Ich möchte zum Schluss noch kurz auf meinen zweiten Blog hinweisen. Seit 2010 sind wir bei Marriage Encounter, einer katholischen Reformbewegung, die sich für die Förderung von Ehe und Familie einsetzt. Kernstück von ME ist das sogenannte Dialogieren, das Schreiben von Liebesbriefen zu den verschiedensten Fragestellungen. Am Anfang steht bei Marriage Encounter ein Wochenende. Die nächten Termine dafür finden sich hier. Seit Dezember 2013 unterhalten wir nun den Dialogblog dialogreisen.me, wo jeden Tag eine neue Dialogfrage vorgeschlagen wird. Er richtet sich natürlich hauptsächlich an die ME-Gemeinschaft, die Fragen selbst sind aber für jedes Paar von Interesse.

 

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Ein Gedanke zu „Die Auferstehung des ganzen Menschen

  1. Hallo Fecistinos,
    das ist schön, wieder voin dir zu hören, und noch dazu über eines der schönsten Bilder der Christenheit. Ja, was du da ansprichst, das ist etwas ganz Eigentümliches.Denn dieser Auferstandene ist ja einerseits ganz derselbe, bis hin zu den Verletzungen, andererseits so sehr anders, dass er nicht einfach ein wiederbelebter Leichnam ist. Ich finde da sehr widersprüchliche Stellen, denn einmal verbietet er Maria Magdalena sogar, ihn anzurühren, dann wieder isst er ganz selbstverständlich mit den Jüngern, wird aber andererseits nicht erkannt, obwohl er (Emmaus) eine lange Wegstrecke mit ihnen geht, und dann ist da natürlich der ungläubige Thomas – die wohl drastischteste Form von „Des schau i ma aber an!“
    Hier unterscheidet sich das Christentum tatsächlich sehr von Vorstellungswelten, in denen ein materieller Leib durch einen anderen abgelöst wird, aber auch voin spiritistischen Ideen, bei denen Lichtgestalten auf den Wolken herumtänzeln.
    Ich finde aber (ja, jetzt kommt das Ratti-Gemurre, war ja unvermeidlich) dass das Christentum hier keineswegs homogen ist. Zum einen ist schon die Tradition aller drei abrahamitischen Religionen monistisch, auch der Islam und das Judentum sehen den Körper nicht als einen der Seele übergestülpten Dreckhaufen an, sondern den Menschen als leibseelische Einheit.
    Aber während Jesus selbst und die Apostel keine Dauer-Askese predigten und auch mit Speisegeboten kein großes Trara machten, auch keinen Monachismus forderten, schlich sich die Gnosis in die Kirche und entfaltet bis zum heutigen Tag eine durchschlagende Wirkung. Ich fange gleich mit dem lieben alten Luther und seinem „Madensack“ an. (Diesmal hast du einen Punkt voraus). Aber Leibfeindlichkeit im Christentum ist keine Erscheinung aus der Mottenkiste der Antike, sondern zieht eine mächtige Spur durch die gesamte Geschichte. Und es waren keine unbedeutenden Schrullis, die da den Menschen als eine an „Das Fleisch“ gekettete Geistseele sahen, Ich zitiere da nur den Gründer des Opus Dei, der ein herzhaftpraktizierender Masochist war – seine Anhänger berichten mit Stolz, dass die Wände seines Badezimmers voll Blut waren – sondern z.B. auch erklärte, es sei bereits ein Akt der Unkeuschheit, einem Kleinkind über das Köpfchen zu streicheln. Und es lässt sich nicht leugnen, dass Opus Dei und Sinn- und sachverwandte Gedankenwelten unter JPII und Benedikt hoch im Kurs standen, sehr hoch. Franziskus dürfte da weniger begeistert sein.
    Einerseits findet man also im Christentum eine sehr vernünftige Mäßigung: was der Körper braucht, soll er haben, aber in Maßen; keine hemmungslose Sinnlichkeit, aber auch keinen Ekel vor dem „niedrigen“ Leib, keine Völlerei, aber auch keine ängstliche Orthorexie beim Essen wie später bei den Rabbinern. Zu nennen ist da auch das starke Engagement für die Krankenpflege. Anderererseits brauche ich nur auf die reichlich vorhandene Literatur zu verweisen, welche Wahnsinnsaktionen da als besondere Frömmigkeit angesehen wurden bis hin zum Reserl von Konnersreuth, das von einer Hostie pro Tag immer dicker wurde, bis zur unter JPII (!!!!) selig gesprochenen Anna Katharina Emmerick, die das Peaches-Geldof-Syndrom als besondere Gottseligkeit ansah. Das Pfui-Körper-Anathema hat immer noch eine gewaltige Strahlkraft, schon daran abzulesen, dass bei vielen Christen – vor allem in Amerika – alle Sünden, die mit dem Körper zu tun haben, ungleich schwerer bewertet werden als z.B. gnadenlose Habgier oder das Entfesseln eines Krieges. Daran ist ja nix Unanständiges.
    Faszinierend finde ich auch den Gedanken, dass der auferstandene Mensch eben derjenige Mensch bleibt, der er/sie war, wenn auch in einem verklärten Leib und einer geheilten Seele – wäre ja entsetzlich, wenn jemand in alle Ewigkeit mit einem verkrüppelten Körper herumschlurfen müsste.Es war übrigens ausgerechnet eine ZJ, die mir das sehr plastisch schilderte: „Der Mensch ist wie eine bespielte DVD. Wenn die Batterien hin sind, stirbt er. Aber Gott gibt neue Batterien rein und die DVD läuft wieder.“ The Gospel for the digital native…
    lg,
    Ratti

    Ich krieg ja jeden Tag die päpstlichen SMS, und jetzt werde ich einmal zurückschreiben: MICH braucht er nicht ständig vor den Gefahren des Reichtums und des eigensüchtigen Luxuslebens zu warnen! Da sorgt schon das Sozialamt dafür, dass ich mich nicht an den Mammon verkaufe, die schicken dir saugrobe Briefe, wenn du nur zehn Euro aufs Konto kriegst („….kann keineswegs als gering zu achtende Schuld angesehen werden….“) Und ich zögere auch nicht, mich schmutzig zu machen an den Notleidenden, in diesem Fall den Sandler-Hunden im Bahnhof, die schon schweifwedelnd aufspringen, wenn ich vorbeigehe, weil sie immer was kriegen, und mir den Kopf in die Tasche stecken.
    Aber mit der Ermahnung wegen Klatsch und Tratsch und Leute ausrichten hat er mich zielsicher getroffen. Das stimmt.
    Inzwischen alles Liebe, auch deiner Frau,
    lg Ratti

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