Gott und die Sprache V – Pfingstereignis

Nach den schon dokumentierten Überlegungen zum Thema Gott und die Sprache im Folgenden ein Artikel aus dem aktuellen Christ in der Gegenwart von Matthias Mühl:

In unseren Sprachen

„Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden“ (Apg 2,11). „Erfüllt“ von Gottes Geist erreichen die Worte der Gemeinschaft der ersten Christen die in Jerusalem zum Pfingstfest zusammengekommenen Menschen aus aller Herren Länder in ihrer Sprache. Lukas hat seine Erzählung in der Apostelgeschichte auch als Kontrapunkt zur Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel gestaltet (Gen 11,1-9). So wie der Verlust einer gemeinsamen Sprache dort zum Scheitern des narzisstischen Projekts führte, so führt das Verstehen jetzt zum Gelingen.

Möglich wird dieses Verstehen aber nicht, indem die Menschen plötzlich alle armäisch, die Sprache der ersten Anhängerinnen und Anhänger Jesu, verstünden, sondern indem sie die Jünger in ihrere eigenen Sprache hören. Das von Lukas vorgestellte Modell ist nicht das eines einfarbigen Einheitsbreis, sondern das einer bunten Vielfalt. Und es sind nicht die Menschen, die sich ändern müssten, um die Botschaft Jesu zu verstehen, es sind die Jünger, denen es auf einmal gelingt, die Sprache ihrer Zeitgenossen zu sprechen. Für die Griechen griechisch, für die Römer römisch und für die Ägypten ägyptisch.

Offensichtlich wusste Lukas, dass das nicht selbstverständlich ist, sondern Zeichen des „wunderbaren“ Wirkens des Geistes Gottes. Pfingsten erinnert daran, dass die Botschaft Jesu in der Sprache der Menschen, die sie hören sollen, verkündigt sein will. Die erste Umkehrbewegung liegt bei denen, die im Namen Jesu sprechen und handeln möchten. Sich so zu den Menschen zukehren, heißt den Suchenden als Suchender, den Trauernden als Mit-Trauender, den Gescheiterten als selbst immer wieder Scheiternder zu begegnen. Möglich, dass dann auch diese sagen: „Wir hören Sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“

Einen gesegneten Trinitatis-Sonntag!

PAX

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Ein Gedanke zu „Gott und die Sprache V – Pfingstereignis

  1. Ich würde mir das Pfingstwunder einer klaren, konkreten und zeitgemäßgen Sprache wünschen. Aber Laien gelten eben immer noch als Pfarr-Kinder und werden dementsprechend mit einem Papperl aus Beschwichtigungen, Ausreden und glatten Lügen abgefüttert. Niemand wagt darüber zu reden was Sache ist – die katholischen Geistlichen dürfen sowieso nur nachplappern, was ihnen in Rom vorgekaut wird, die evangelischen haben Angst vor den Kirchenwanzen, die jedes vorwitzige Wort beim Bischof denunzieren; also weicht man allen problematischen Themen aus und zieht sich ins Mystische oder Karitative zurück, da kann nichts passieren. In der Zeitung beglückt dann der Wiener Dompfarrer Faber die (immerhin zumeist erwachsenen) Leser mit Sprüchen wie: “Der liebe Gott hat uns alle lieb und sendet jeden Tag seine Schutzengel aus, damit sie uns beschützen.”
    Klare Worte und den Mut, Probleme anzupacken, findet man dann eigentlich nur bei Leuten, die den kirchlichen Maulkorb nicht zu fürchten haben, und die sind dann wieder oft so negativ eingestellt, dass sie gleich das Kind mit dem Bade ausschütten, oder sie sind unqualifizierte “Enthüller”: (“Jesu Grab gefunden!” etc.)

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