Die fehlende Freude der Kinder Gottes

Der atheistische Autor Thomas Glavinic formuliert in seinem Roman „Unterwegs im Namen des Herrn“, in dem er seine Teilnahme an einer Pilgerfahrt nach Medjugorje beschreibt:

„Das ist es: Mich machen diese harten Gesichter mittlerweise aggressiv. In keinem Gesicht erkenne ich das, was ich erwartet habe, nämlich mindestens Offenheit und Freundlichkeit, wenn schon keine Liebe. Hier haben alle diesen harten Blick. […] Ich habe hier noch immer keinen einzigen Menschen gesehen, der Lebensfreude ausstrahlt oder zumindest das Gefühl vermittelt, er würde seinen Brüdern und Schwestern im Glauben mit Sympathie begegenen. Die hier, die mögen überhaupt niemanden, das sind bloß verstörte und verängstigte, im Grunde ganz rohe Seelen.“

„… ich schlendere durch die Reihen und betrachte die Gesichter der Menschen. Deswegen bin ich ja auch hier, ich will verstehen, was sie antreibt, ob sie so sind wie ich, ob sie mir gar nicht so fern sind, wie ich denke. Das ist es, was ich mir wünsche. Doch die Gesichter sagen mir wenig. Sie sind leer. Das gefällt mir nicht, weil es allen Vorurteilen entspricht, die Leute wie ich hegen. Ich würde gern etwas sehen, was es mir ermöglichen würde, mich ihnen wenigstens auf eine leise Art verbunden zu fühlen, etwas, was mich mit ihnen mitfühlen lässt, etwas, was mich mit dem Glauben an sich versöhnt. […]“

Bei diesen Textstellen ist mir Papst Franziskus in den Sinn gekommen. Er beschreibt in Evangelii gaudium „Christen, deren Lebensart wie eine Fastenzeit ohne Ostern erscheint.“ (EG 6). Sie sind unerlöst, weil sie letzten Endes im Materiellen verhaftet sind und der Glaube an die Auferstehung noch nicht ihr Leben erreicht hat.

Ich halte diese Rückmeldung von außen für sehr wichtig. Wenn der Glaube zu Lebensferne und Freudlosigkeit führt … wie können Christen dann für Fernstehende einladend sein?

PAX

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