Pfingstsequenz IX – Vertrauen zum Menschsein

[Erste Strophe / Zweite Strophe / Dritte Strophe / Vierte Strophe / Fünfte Strophe / Sechste Strophe / Siebente Strophe / Achte Strophe]

Da tuis fidelibus
In te confidentibus
Sacrum septenarium.

Ü1 (wörtlich)
Gib deinen Gläubigen
den auf dich Vertrauenden
die heilige Siebenheit.

Ü2 (Gotteslob)
Gib dem Volk, das dir vertraut
das auf deine Hilfe baut
deine Gaben zum Geleit.

Ü3 (Bone)
Heil’ger Geist, wir bitten dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner Gaben Siebenzahl.

1) fidelibus – confidentibus: Die Parallel-Setzung dieser beiden Begriffe eröffnet die tiefere Bedeutung dessen, was mit Glauben gemeint ist. Der zweite Vers erscheint ja als nähere Bestimmung des Glaubens, als weitere Verdeutlichung: Glaube an Gott bedeutet, auf ihn zu vertrauen. Und das wiederum ist Grundlage und Voraussetzung dafür, dass wir Seine Liebe auch entsprechend beantworten können.

Die Bibel ist voll von Geschichten des Vertrauens: Abraham wird ein immenses Vertrauen gegen Gott abverlangt, wenn von ihm erwartet wird, in seinem Alter noch seine Heimat zu verlassen (Gen 12), ganz zu schweigen von der Zumutung, seinen Sohn diesem Gott opfern zu müssen (Gen 22). Abraham wird in diesen Erzählungen als der Vertrauende dargestellt, daher auch als Prototyp des Glaubens. Auch Maria wird viel Vertrauen abverlangt: in einer ausweglosen Situation, in der sie sich befindet, kann sie trotzdem voll Vertrauen Ja sagen zu diesem Kind, das unser aller Erlöser werden wird (Lk 1,38).

Vielleicht sind die modernen Schwierigkeiten mit dem Glauben auch darauf zurückzuführen, dass uns das Vertrauen abhandengekommen ist: der Zwang, alles zu hinterfragen, hat nicht nur zu einem immensen wissenschaftlichen Fortschritt geführt, sondern auch dazu, dass dieser Skeptizismus auch auf zwischenmenschliche Beziehungen und sogar auf die Beziehung zu Gott abfärbt: wer traut sich denn heute schon, einem anderen Menschen wirklich zu vertrauen und mit ihm eine lebenslange Ehe einzugehen? Pfeifen doch die Spatzen die aktuelle Scheidungsstatistik von den Dächern und bemühen sich doch sämtliche Medien in seltener Einstimmigkeit uns jedes Vertrauen in Institutionen oder Menschen abzugewöhnen. Wie schwer ist es da für den modernen Medienkonsumenten, Gott zu vertrauen, an ihn in diesem Sinne zu glauben?

2) Sacrum septenarium: Gemeint sind die sieben Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht. Diese Zählung wird abgeleitet von Jes 11,2, vermehrt durch Frömmigkeit. Sie spielen vor allem beim Sakrament der Firmung eine Rolle und fassen im Prinzip zusammen, welches Bild die katholische Kirche von einem mündigen, erwachsenen Christ hat. Der Heilige Geist soll den Gläubigen zu einem vernünftigen, weisen, nach Erkenntis strebenden Leben befähigen, das sich seiner Begrenztheit bewusst ist, offen für die Wirklichkeit Gottes, selbstbewusst und unerschrocken. Gott weiß, wie sehr wir alle dieser Gaben bedürfen – zu jeder Zeit.

3) Conclusio: Diese Strophe bietet nicht nur eine nähere Definition des Begriffs Glaube, sondern auch einen Verweis auf die sieben Geistesgaben, die nach Tradition der Kirche beim Sakrament der Firmung bespendet werden, das Sakrament, das ganz besonders mit dem Heiligen Geist assoziiert ist und das an der Schwelle zum Erwachsenwerden gespendet wird: die Gaben des Geistes sollen den Firmling also dazu animinieren, zu einem mündigen, selbstbewussten, vernünftigen Erwachsenen zu werden.

Verwirrte Sprachen,
werden eins in Christus, dein
verständliches Wort.

PAX

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