Erbsünde und Erlösung

Zum Thema Erlösung und Erbsünde ist mir dankenswerterweise heute folgendes Buch geschenkt worden: Joseph Ratzinger [=Benedikt XVI.]: Gottes Projekt. Nachdenken über Schöpfung und Kirche. Regensburg 2009. (Link)

Es handelt sich dabei um eine Zusammenstellung von sechs Vorlesungen, die Joseph Ratzinger als Präfekt der Römischen Glaubenskongregation im September 1985 im Bischöflichen Bildungshaus St. Georgen am Längsee gehalten hat.

Ich möchte im Folgenden die Grundgedanken des Kapitels 4, „Sünde und Erlösung“, wiedergeben. Es befindet sich im oben zitierten Buch auf den Seiten 73-92.

1) Alttestamentlicher Bezug
Gen 3, 1-13Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen.

2) „Bekehrt euch!“
Bei der Grundbotschaft des Evangeliums, Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, bekehrt euch und glaubt an das Evangelium. (Mk 1,14-15), wird in modernen Theologien der Teil „bekehrt euch“ gerne ausgespart. Dieser Teil ist jedoch essentiell, ja er gehört zum Kern des Christlichen.

3) Strategien der Verdrängung
Das Thema „Sünde“ ist zu einem verschwiegenen Thema unserer Zeit geworden. Damit einher geht auch, dass das Gefühl für „Gut“ und „Böse“ verschwindet, das Moralische wird überhaupt abgelehnt. Die Verabschiedung des Moralischen ist aber nur dann logisch, wenn es kein dem Menschen vorausgehendes Maß gibt, d.h. wenn er die Wahrheit seines Geschöpf-Seins leugnet. Da man die Wahrheit verdrängen, aber nicht beseitigen kann, muss das Prinzip „Sünde“ geleugnet werden. Aber der Mensch kann nur heil, erlöst sein, wenn er wahr ist, wenn er aufhört, die Wahrheit zu verdrängen oder zu bekämpfen.

4) Zwei Bilder: Garten und Schlange
Der Garten ist Ausdruck für eine Welt, die dem Willen des Schöpfers gemäß geworden ist. Der Mensch versteht die Schöpfung als Gabe des Schopfers und bringt sie zu ihren eigenen Möglichkeiten. Der Bild der Schlange zeigt die Versuchung, der sich Israel zur Zeit der Entstehung des Textes ausgesetzt sah: die Schlange steht für die Attraktion der Fruchtbarkeitsgottheiten der umgebenden Völker.

5) Die Logik des Verdachtes
Die Versuchung beginnt nicht mit der Leugnung Gottes, sondern mit der Frage der Schlange, die einen Verdacht gegenüber Gottes Gebot in Adam und Eva sät. Dieser Verdacht ist auch heute noch allgegenwärtig: es ist leicht, dem Menschen einzureden, dass dieser Bund ihn fessle, ihn einenge und nicht eine unendliche Gabe und Geschenk sei. In diesem Verdacht ist die Aufforderung eingeschlossen, dass der Mensch überhaupt keine Grenzen mehr anerkennen solle, sondern sich davon freimachen soll, denn dann erst werde er richtig frei sein von diesen. Wenn der Mensch alles tun möchte, was er kann, und keine moralischen Schranken mehr gelten, dann leugnet der Mensch sein Geschöpf-Sein als einer uns vorausgehenden und bestimmenden Wirklichkeit. Deswegen ist das, was die Schlange tut, ein Betrug am Menschen. Wenn er das Maß dieser Ordnung leugnet, belügt sich der Mensch. Er macht sich nicht frei, wie es im Augenblick erscheint, sondern er stellt sich schlicht gegen die Wahrheit.

6) Geschöpflichkeit als Maß des Menschen
Das Grundlegende ist also: die Ordnung des Bundes wird verdächtigt. Der tiefste Gehalt der Sünde ist es daher, dass der Mensch sein Geschöpf-Sein leugnen will, weil er die Tatsache, dass er ein Maß hat und eine Grenze hat, nicht annehmen will. Er will nicht Geschöpf sein, weil er nicht abhängig sein will. Dabei deutet er die Abhängigkeit von der Liebe Gottes nicht als eben das, als Liebe, sondern als Fremdbestimmung, als Sklaverei. Deswegen möchte er sich davon emanzipieren und selbst wie Gott werden. Damit ändert sich jedoch alles: das Verhältnis zu sich selbst, zu den anderen, zur Schöpfung. Der Mensch, der aus der Wahrheit seines Geschöpf-Seins heraustreten will, wird jedoch nicht frei, sondern er zerstört die Wahrheit und die Liebe. Er macht sich nicht zu Gott, der ganz Liebe und Beziehung ist, sondern er macht sich zu einem Pseudogott, den er als den Beziehungslosen (miss-)versteht.

7) Was heißt Erbsünde?
Es hat sich gezeigt, dass erst durch die neutestamentliche Botschaft von der Erlösung, die wahren Ausmaße der Sündhaftigkeit des Menschen von Anbeginn an bewusst geworden sind. Was bedeutet Erbsünde? Sünde ist Beziehungsverlust, Beziehungsstörung, die irrige Annahme, nur sich selbst zu brauchen, autark zu sein. Deswegen ist Sünde nie allein eingeschlossen ins einzelne Ich, ist immer Versündigung, die auch den anderen trifft, die die Welt verändert und sie stört. Jeder ist deshalb schon von seinem Anfang her in seinen Beziehungen gestört, empfängt sie nicht, wie sie sein sollten. Die Sünde greift nach ihm und er vollzieht sie mit.

8) Schöpfungsbeziehung und Erlösung
Wenn das Urprinzip der Sünde in der Beziehungslosigkeit des Menschen besteht, ist auch klar, warum sich der Mensch nicht selbst erlösen kann. Erlöst werden können wir nur, wenn der, von dem wir uns abgeschnitten haben, neu auf uns zugeht und selbst die Beziehung wieder eröffnet, die wir nicht erzwingen können (sonst wäre sie ja nicht Liebe). Bedeutend für das Verständnis der Erlösung ist der Hymnus in Paulusbrief an die Philipper.
Phil 2,5-11: Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ,Jesus Christus ist der Herr.‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters.
Wenn Adam sich zu Gott machen wollte, indem er sein Geschöpf-Sein geleugnet hat, so geht Christus den gegenteiligen Weg: er ist – anders als Adam – wirklich Gott und weil er wirklich Gott ist, verhält er sich wie Gott, ist ganz Liebe und Beziehung. Der Sohn ist alles und ganz aus Beziehung zum Vater. Er klammert sich nicht an seine Autonomie, er wird der ganz Abhängige. Deshalb kann er Adams Lüge aufheben. So wird Christus in dieser Gegenbewegung der neue Adam, mit dem das Menschsein neu beginnt und wieder sich selbst findet. Er, der von Grund her Beziehung und Bezogen-Sein ist, stellt die Beziehungen wieder richtig, stellt die Beziehung wieder her.

9) Eucharistie als „Baum des Lebens“
Deswegen auch die ungeheure Größe und Dramatik der Eucharistie: sie ist nie bloß irgendeine Art von Gemeinschaftspflege, sondern sie zu empfangen heißt, in diese Dynamik der Umwandlung der Adamsgeschichte hineintreten, den Gehorsam Christi zum Sein, zur Schöpfung und zum Schöpfer, das Maß des Geschöpfseins anzunehmen, nicht auf die Macht, das Können, die Lüge zu setzen, sondern auf die Beziehung der Liebe und das Maß, das sie uns gibt. Gerade diese Abhängigkeit vom Schöpfer ist Freiheit, weil sie Wahrheit ist und Liebe.

PAX

Der Papst, ein Liturgiesünder?

Vor allem aus dem katholischen Rechts-Innen kommt massive Kritik am neuen Papst, er würde die Heilige Liturgie nicht ernst genug nehmen.

Beispielsweise kursiert folgendes Video, das den damalige Erzbischof von Buenos Aires bei einem Jugendgottesdienst zeigt:

Dieses Video wurde auf Kreuzfährten. Wahrheit statt Mehrheit weitergepostet und mit dem Stoßseufzer versehen: Heiliger Pius X., bitte für uns.

Speerspitze der Kritik ist auch die englisch-sprachige Seite Creative Minority Report des Bloggers Patrick Archbold, der sich auf Twitter mit Kardinal Mahony über Aussagen zur Liturgie streitet, die bei Benedikt XVI. noch statthaft gewesen, beim neuen Papst hingegen kritisch verstanden worden seien. Zusammengefasst wieder von Kreuzfährten im Artikel Papstkritik und Katholizität.

Wie schon im letzten Artikel gepostet, bin ich selbst ebenfalls ein Kritiker einer allzu offenkundigen Anbiederung an die ominösen „Jungen“, habe heute aber selbst eine so genannte „Kinderpassion“ erlebt, eine Passionsgeschichte gestaltet und dargestellt von Volksschülern. Es war ein berührendes Ereignis, manchmal auch schwer auszuhalten (ein 8-Jähriger am Kreuz …). Und ich denke, einzelne moderne Elemente in den uralten Ritus der Liturgie einzufügen, ist durchaus statthaft. Es geht ja auch um Vermittlung: Jesus selbst hat zum Beispiel Gleichnisse aus dem Lebensbereich der Menschen erzählt, damit sie seine Botschaft verstehen. Eine Weiterentwicklung der Liturgie muss es also immer wieder geben im Hinblick auf dieses jesuanische Anliegen.

Dass es aber unbedingt zwei Einpeitscher braucht für eine Messe (wie in dem Video gezeigt), steht auf einem anderen Blatt.

Außerdem wird der neue Papst auch dafür kritisiert, dass er keine Kniebeuge nach den Wandlungsworten macht, belegt durch dieses Video vom heutigen Palmsonntag (Zeitindex 1:52:25). Ist er dazu körperlich nicht in der Lage? Oder ist es eine theologische Aussage? Stellt er gar die Präsenz Christi im Altarsakrament in Frage? Ich kann diese Fragen nicht beantworten, bin aber absolut der Meinung, dass sich der Papst etwas dabei gedacht hat, diese Kniebeuge zu unterlassen. Ich hoffe auf eine diesbezügliche Erklärung.

PAX

Ist der Papst zu bescheiden?

Im Blogger-Wald rauscht es gehörig nach den ersten paar Tagen des neuen Papstes. Mancherorts wird scharfe Kritik laut, dass der neue Papst zu bescheiden wäre.
Die Kernfrage wurde von sophophilo auf seinem Blog folgendermaßen ausformuliert:
Ist es Demut, wenn Papst Franziskus Amtsspezifika und dergleichen (sogar das PP bei der Unterschrift!) ablehnt und ablegt um, dem Beispiel des Poverello folgend, Jesus nachzueifern? Oder ist es nicht vielmehr Demut, alles das, was mit einem Amt einhergeht, demütig anzunehmen, auch wenn es dem eigenen Empfinden nicht entspricht (wie es Benedikt XVI. tat)?

In diesem Presse-Artikel werden Kritiker des Papstes zitiert, die bei ihm eine „militante“ Demut ausmachen. Der Papst sei ein idealistischer Armutsapostel der Siebzigerjahre; er pflege eine militante Demut, die sich aber als demütigend für die Kirche erweisen könnte. Es wird ihm dabei vor allem vorgeworfen, dass er nicht verstanden habe, dass Demut darin bestehe, sich den Äußerlichkeiten des päpstlichen Amtes zu unterwerfen (inklusive der roten Schuhe) und dass es arrogant sei, dieselben zurückzuweisen.

Das ist ein Gedanke, der mich nachdenklich gemacht hat. Gibt es so etwas wie arrogante Demut? Ist es notwendig und ein Zeichen von richtig verstandener Demut, wenn man sich den tradierten Gegebenheiten eines Amtes beugt?

Einerseits gebe ich Alipius recht, wenn er in seinen Klosterneuburger Marginalien meint: Man sollte sich hüten, einfach davon auszugehen, daß der Heilige Vater bei allem, was er sagt oder tut (oder nicht tut) einfach nur denkt ‚Guckt mal, meine tolle Demut!‘ Es ist unmöglich, als Papst irgendetwas zu tun, zu sagen oder zu unterlassen, ohne dass tausende „Experten“ kommentieren, einordnen, kritisieren.

Außerdem ist die von Franziskus gezeigte Demut selbst von Österreich aus authentisch.

Nachdem die Päpste die Sedia Gestatoria nicht mehr verwenden und die Tiara im Museum verstaubt, wird es vielleicht Zeit dafür, sich ein bescheideneres Äußeres zuzulegen: kein Hermelinmantel, keine roten Schuhe, keine goldbestickte Stola, keinen goldenen Ring. Diese Gesten haben – trotz der an sich Gott-losen Medienöffentlichkeit – große Wirkung gezeigt. Es steht der Kirche gut an, sich bescheidener zu geben, in Liebe und Verständnis für das Christentum zu werben und den monarchischen Pomp abzulegen. So weit so gut.

Dennoch wird dem neuen Papst auch Schlimmeres vorgeworfen: nämlich, dass er die Liturgie verfälschen würde. Bezieht sich der eine – leicht zu entkräftende – Vorwurf auf Äußerlichkeiten, die auch abgelegt werden können, trifft der andere natürlich tiefer, genauer gesagt den Kern des Christ-Seins. Unter Benedikt XVI. wurden liturgische Ungenauigkeiten noch richtiggehend verfolgt (und auch von Österreich aus regelmäßg nach Rom gemeldet), der neue Papst hat als Bischof selbst solche Abänderungen der Liturgie zu verantworten gehabt. Verständlicherweise fühlen sich nun die liturgischen Puristen verraten.

Für mich selbst hat die Liturgie einen hohen Stellenwert und es ist nicht einzusehen, dass sie freihändig verändert werden kann. Vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe der Jugendlichen hat sich gezeigt, dass eine zu große Anbiederung an diese Generation zwei Dinge verursacht: entweder ein Sich-Abwenden wegen dieser Anbiederung oder eine einmalige positive Liturgieerfahrung, die aber nicht nachhaltig ist. Schließlich ist nicht jeden Sonntag ein find-fight-follow-Gottesdienst, eine Gospelmesse oder ein Jugendgottesdienst zu feiern. Es mag vielleicht manchmal mühsam sein (besonders wenn man es mit so anspruchsvollen Gläubigen wie Jugendlichen zu tun hat), aber ein Einüben in die uralten liturgischen Gesten, Worte und Strukturen kann man keinem Christen ersparen, was natürlich keiner liturgischen Magie das Wort reden soll, also der Annahme, es reiche, dass die Liturgie korrekt vollzogen werde, damit das Sakrament wirke.

Es wird sich zeigen, welche Akzente der neue Papst liturgisch setzen wird.

Abschließend sei noch die Frage gestellt, ob ein gläubiger Katholik den Papst kritisieren darf. Ich denke, solange diese Kritik in einer wohlwollenden, liebevollen Sprache verfasst ist, ist der Papst ein christlicher Bruder wie jeder andere auch. Als unfehlbar gilt er ja nur, wenn er ex cathedra spricht.

PAX

Gott und die Sprache III

Überblickt man die katholischen Meldungen zum Thema „Religiöse Sprache“, dann kann man zwei Positionen unterscheiden:

1) die religiöse Sprache sei viel zu weit weg von der Lebenswelt der heutigen Menschen
2) die religiöse Sprache müsse besonders sein, sonst verliere sie ihre Identität

Gestern zum Beispiel ist in der Tagespost Folgendes zu lesen gewesen:

„Eine Liturgie, die Worte so gebraucht, wie alle sie gebrauchen, die die spezifisch christliche Redeweise aufgibt, wird der Sendung der Kirche nicht gerecht und hilft auch den Menschen nicht, denen sie vorgeblich entgegenkommt. […] So muss auch heute jeder Katholik vertraut sein mit der liturgischen Sprache der Kirche, die eben anders spricht als ihr säkularisiertes Umfeld es tut.“ (Die Tagespost, Do, 7.2.2013, S.17) – Diese Position ist wohl auch die aktuelle der Amtskirche, wenn man die Initiativen von Papst Benedikt XVI. zur Förderung der Alten Messe und des Latein-Unterrichts bedenkt bzw. die Tatsache, dass die „Volxbibel“ oder die „Bibel in gerechter Sprache“ nicht in der Liturgie verwendet werden darf.

Dem gegenüberzustellen ist die Beobachtung, dass selbst einfache religiöse Begriffe von einer Mehrheit der Österreicher nicht mehr erklärt werden können und dass auch der Wille, sich in diese Richtung weiterzubilden, nicht merklich vorhanden ist.

Natürlich wird man, wenn man sich darauf einlässt, durch eigene (Gottes-)Erfahrungen vielleicht im Laufe seines Lebens diese Begriffe wieder mit Leben erfüllen können, vielleicht wird durch eine Grenzerfahrung z.B. der Begriff „Gnade“ plötzlich für jemanden verständlich, der vorher nichts damit anfangen konnte. Aber wie geht man gegen diesen Schwund an religiösem Wissen vor? Der Religionsunterricht scheint hier noch die letzte Bastion im eigentlich ungewinnbaren Kampf gegen den Zeitgeist zu sein.

Für mich persönlich kommt ein vollkommenes Abgehen von der religiösen Sprache nicht in Frage – ich habe selbst auch schon lateinische Messen erlebt, die viele auf Deutsch gehaltene an Spiritualität in den Schatten gestellt haben. Außerdem ist das Geheimnisvolle und Außerweltliche der Eucharistie auch sprachlich abzubilden. Und auch zur Identitätsbildung ist – vorrangig beim Gottesdienst, beim Credo und den Gebeten – die spezifisch christliche religiöse Sprache von entscheidender Bedeutung.

Aber das Problem der Weitergabe löst sich damit nicht.

PAX