Apud Sanctam Luciam

Schrein der Heiligen Lucia in der venezianischen Kirche Chiesa di SS Geremia e Lucia

Das Grab der Heiligen Lucia befindet sich in der Kirche SS Geremia e Lucia in Venedig. Die Historizität dieser Heiligen ist – anders als bei so manchen Heiligen der Antike – weitgehend belegt, ebenso wie ihre fast sofortige heiligmäßige Verehrung.

In der venezianischen Kirche ist ihr Körper in einem Glasschrein ausgestellt. Hinter demselben führt ein enger Durchgang vorbei. Beim Durchschreiten dieses Durchganges befindet man sich in großer Nähe zu dem sehr kleinen, fast kindlichen Körper der Heiligen. Ihr Gesicht wurde mit einer silbernen Maske bedeckt, sichtbar sind jedoch ihre rechte Hand und die Füße. Ein für moderne Augen grusliger Anblick.

Oberkörper der Heiligen

Beim Besuch des Schreins ist mir wieder bewusst geworden, warum die katholische Kirche trotz allem weiterhin Reliquien verehrt: es ist dieses Haptische, mit allen Sinnen Erfassbare, dass ein heiliges, gottgefälliges Leben möglich ist, dass das Christentum kein Weg für nur wenige Auserwählte ist, sondern dass es viele Menschen gibt, deren (christliches) Leben gelungen ist. Die richtig verstandene Heiligen-Verehrung ist damit auch ein Bollwerk gegen Bemühungen, das Christentum als Elitereligion zu etablieren – diese Versuchung gibt es ja schon seit Anbeginn.

Nein, die Kirche spricht Meschen selig und heilig, die voller Widersprüche sind, deren Lebensbilanz jedoch – nach strenger Prüfung – für überwiegend positiv befunden wurde. Da stört z.B. auch nicht, dass Mutter Teresa in einigen ihrer Briefe massive Glaubenszweifel bezeugt hat. Wer nicht ersthaft zweifelt, der kann auch nicht ernsthaft glauben.

Zwei Dinge sind da für mich sehr wichtig:

1) Die katholische Kirche legt sich nur beim Positiven fest. Niemals hat sie festgeschrieben, dass eine Person in der Hölle ist, sondern sie hat sich immer nur festgelegt, wenn es darum gegangen ist, eine verstorbene Person als heilig, vorbildhaft, bei Gott befindlich zu verstehen.

2) Die Tatsache, dass es normale Menschen sind, die hier als heilig verstanden werden (denken wir nur an Petrus), gibt Hoffnung, dass eine gute Lebensbilanz im Bereich des Möglichen liegt, dass der Mensch, wenn er sich wirklich bemüht, es schaffen kann. Damit wird einem Gottesbild Rechnung getragen, das weit entfernt von allen Strafgerichtsphantasien des Mittelalters ist und sich einem liebenden Vatergott verpflichtet weiß.

So nahe bei der Heiligen Lucia zu sein, hat mich sehr bewegt.

PAX

Advertisements

Maria Verkündigung

Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat die katholische Kirche am Montag, den 25. März, das Fest Maria Verkündigung gefeiert. Und das, obwohl es ohne den Inhalt des Festes völlig anders auf dieser Welt aussehen würde.

Ich selbst habe im italienischen Loreto schon die Mauern besichtigt, die dieses epochale Ereignis bezeugen. Die einfachen Steinmauern sind aus Nazareth nach Loreto verbracht worden, sie stammen höchstwahrscheinlich von Marias einfachem Haus. Selbst wenn man wegen der Authentizität dieser Mauern skeptisch ist: sie wurden über Jahrhunderte als eben diese Mauern verehrt, die Marias Erfahrung mit dem Engel Gabriel bezeugen.

Als Nicht-Katholik könnte man die Frage stellen, wieso die katholische Kirche sich noch immer diesem „überholten“ Glauben verschreibt, obwohl ja die Echtheit der Reliquien keineswegs sicher ist.

Gerade bei den Mauern von Loreto kann ich diese Frage beantworten: dass es Mauern gibt, die das Fest Maria Verkündigung bezeugen, betont die entscheidende Botschaft des Christentums, die sie von allen Religionen unterscheidet: dass es nämlich dem ewigen, allmächtigen Gott gefallen hat, in die menschliche Geschichte einzubrechen, dass sein Sohn wirklich und wahrhaftig mit uns Menschen gelebt hat, ja, dass er für uns gelebt hat, gelitten hat und gestorben ist.

Ohne Maria Verkündigung also kein Weihnachten, kein Ostern und kein Christentum. Ohne Reliquien die Frage, ob das alles wirklich passiert ist: in den Reliquien verehren wir Katholiken also den uns nahen Gott, Jesus Christus, unseren Bruder.

PAX